Dogan-Holding muss nach Verkauf an Springer Strafe zahlen

19. Februar 2009, 19:24
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Knapp 400 Mio. Euro werden fällig - Unternehmen spricht von Schlag gegen die Pressefreiheit

Die in einen Streit mit der Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan verwickelte türkische Mediengruppe Dogan muss den Steuerbehörden 826 Millionen türkische Lira (rund 389 Millionen Euro) Strafe zahlen. Das Geld werde für Unregelmäßigkeiten beim Verkauf von Anteilen der Gruppe an das deutsche Medienhaus Axel Springer ("Bild", "Die Welt") verlangt, berichteten türkische Medien am Donnerstag. Zeitungen der Dogan-Gruppe bezeichneten das Vorgehen der Behörden als Schlag gegen die Pressefreiheit.

Medien der Dogan-Gruppe hatten im vergangenen Jahr ausführlich über einen deutsch-türkischen Spendenskandal im Umfeld von Erdogans islamisch-konservativer Regierungspartei AKP und Fälle von Korruption berichtet. Erdogan hatte Dogan deswegen mehrfach scharf kritisiert und die Zeitungsleser unter seinen Anhängern wiederholt zu einem Boykott der Blätter aufgerufen, zuletzt in der vergangenen Woche.

Die Dogan Yayin Holding ("Hürriyet", "Milliyet") ist die führende Mediengruppe in der Türkei mit einem Umsatz von rund zwei Milliarden US-Dollar (etwa 1,5 Mrd Euro) und 13.000 Mitarbeitern. Das Medienhaus Axel Springer hatte im vergangenen Jahr erklärt, es habe rund zehn Prozent an Dogan erworben. Ein entsprechender Vertrag sei im November geschlossen worden. Der Kaufpreis betrage 47 Millionen Euro, war erklärt worden.

Dogan ist auch am Zeitschriftenunternehmen Dogan-Burda beteiligt und hat die Mehrheit an Dogan TV. An dem Sender war Axel Springer bisher mit 25 Prozent beteiligt. Im Zuge des Einstiegs bei der Holding reduziert Europas größtes Zeitungshaus diese Beteiligung auf 19,9 Prozent. Sie verkauft die Differenz an die Muttergesellschaft für 77 Millionen Euro. Von diesem Betrag fließen 30 Millionen Euro bis spätestens 2012 an Axel Springer zurück. (APA/dpa)

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