Der Regen beginnt mit einem Tropfen

19. Februar 2009, 19:22
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Nura Abdullah al-Fayez ist die erste Frau in Saudi-Arabien, die einen Ministerposten besetzt - Kopf des Tages

Die Kolumnistin in der regierungsnahen Zeitung Okaz bemühte ein Bild, bei dem der Bürgerin / dem Bürger Saudi-Arabiens das Herz aufzugehen pflegt: "Der Regen beginnt mit einem einzelnen Tropfen." Der Anlass war die Erhebung der ersten Frau in Saudi-Arabien in den Ministerrang: Nura Abdullah al-Fayez ist saudi-arabische Vize-Erziehungsministerin, zuständig für Mädchen.

Ob das wirklich einen Dammbruch für die Sache der Frauen im Königreich auslöst und ob sich das wirklich alle wünschen wie den Regen, sei dahingestellt. Aber der 84-jährige König Abdullah zeigt sich einmal mehr als vorsichtiger Reformer von oben. Mindestens ebenso wichtig war, dass er bei derselben Kabinettsumbildung den obersten Richter und den Chef der Religionspolizei entließ, beide Vertreter einer religiösen Ideologie, die sich ihr Überleben durch Brutalität zu sichern versucht.

Nura al-Fayez ist für ihre Aufgabe hochqualifiziert: Die 53-jährige Mutter von zwei Töchtern und drei Söhnen studierte zuerst in Riad und arbeitete mehrere Jahre als Lehrerin, bevor sie an der University of Utah in Salt Lake City einen M.A. in Pädagogik erwarb. Danach machte sie in der Schulverwaltung Karriere, wurde Zuständige für alle Mädchenschulen, lehrte Pädagogik an der Universität und leitete die Frauenabteilung im Institut für öffentliche Verwaltung.

Ihren ersten Auftritt nach der Ernennung nützte sie, um die Sinnhaftigkeit von Geschlechtertrennung an den Schulen infrage zu stellen. So bringt sie ihre Geschlechtsgenossinnen zum Träumen. Die warten nun auf die nächste Entscheidung von oben: Bei den Gemeinderatswahlen im Jahr 2005 - den ersten Wahlen in Saudi-Arabien zu repräsentativen politischen Vertretungen überhaupt (wobei die Hälfte der Ratsmitglieder weiterhin bestimmt und nicht gewählt wird) - durften Frauen nicht teilnehmen. "Noch nicht", hieß es.

Dass dem Königreich viel - gerade in Krisenzeiten wichtiges - Potenzial durch die Ausgrenzung von Frauen aus dem öffentlichen Bereich verloren-geht, erkennen indessen immer weitere Kreise der Gesellschaft. Gebildete, tüchtige Frauen, deren eigenständige Geschäftstätigkeit ja in der örtlichen Kultur eigentlich Tradition hat - auch die erste Frau des Propheten Muhammad, Khadija, war erfolgreiche Geschäftsfrau, und er ihr Angestellter -, wandern vermehrt in andere Golfländer ab, zum Teil auf Führungsposten. Dort dürfen sie auch, im Gegensatz zu Saudi-Arabien, selbst ein Auto chauffieren. (Gudrun Harrer/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.2. 2009)

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    Nura Abdullah al-Fayez, erste Saudi-Araberin im Ministerrang.

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