Hochdotierte Fußnoten

19. Februar 2009, 19:18
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Wie sich fotografische Dokumente am Kunstmarkt bewähren

Noch im 16. Jahrhundert füllte das Interesse an Exotischem die Kuriositätenkabinette Intellektueller. Im Laufe der Zeit mussten sich die von der Natur oder auch von Künstlern geschaffenen Objekte mit der Rolle einer Fußnote in der Geschichte der Wissenschaft begnügen. Ähnlich verhält sich die Situation auf dem internationalen Kunstmarkt mit jenen außergewöhnlichen fotografischen Dokumenten, die die Entwicklung der wissenschaftlichen Forschung begleiteten.

Im direkten Vergleich zu den hochpreisigen Auktionsergebnissen der Sparte Fotografie, von Edward Weston, Moholy-Nagy, Horst P. Horst oder auch Andreas Gursky, spielen Eadweard Muybridge, William Henry Fox Talbot und Andreas Ritter von Ettingshausen eine Nebenrolle. Die Gründe für die zurückhaltendere Nachfrage liegen einerseits am meist deutlich kleineren OEuvre und damit einer eingeschränkten Menge an Arbeiten, die auf dem Markt kursieren. Andererseits entsprechen sie in ihrer Motivik kaum dem breiten Publikumsgeschmack und versprechen innerhalb traditionell konzipierter Fotosammlungen nur spärlich Prestige. Mikro-, Röntgen- oder Chronofotografie überzeugen nur auf den ersten Blick mit einer gefälligen Exzentrik. Um ihren tatsächlichen Wert zu bemessen, erfordert es eine Auseinandersetzung und Wertschätzung dieser speziellen fotografischen Verfahren.

Das Gros der Arbeiten dieser in der Albertina vertretenen Protagonisten wechselte in den vergangenen Jahren deshalb hauptsächlich unter Insidern, von Sammler zu Sammler und damit abseits des freien Marktes den Besitzer. Nur sporadisch gelangten ihre Werke, gewissermaßen im umfangreichen Auktionsangebot versteckt, zur Auktion.

Zu den Bestsellern gehört William Henry Fox Talbot: Eine mit 1839 datierte Mikrofotografie von Mottenflügeln kletterte bei Sotheby's auf 115.000 Pfund (netto 199.160 Euro). Bei Eadweard Muybridge sind die legendären Bewegungsstudien gefragt, ein Konvolut von 400 Kollotypien erzielte bei Christie's in New York beispielsweise 115.000 Dollar (netto 69.930 Euro). Gemessen an den Auktionsergebnissen gehört Andreas Ritter von Ettingshausens Daguerreotypie mit dem Querschnitt eines Clematisstängels (1840) zu den wertvollsten Ausstellungsexponaten: Im Mai 2004 bewilligte die Albertina bei Christie's in London für diese Rarität brutto rund 206.000 Euro. (Olga Kronsteiner / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.2.2009)

 

  • Fotografische Rarität mit exzentrischer Optik: Für Andreas Ritter von Ettingshausens Querschnitt durch den Stängel einer Clematis musste sich die Albertina bei einer Auktion 2004 gegen zahlreiche internationale Sammler durchsetzen.
 
 
    foto: albertina

    Fotografische Rarität mit exzentrischer Optik: Für Andreas Ritter von Ettingshausens Querschnitt durch den Stängel einer Clematis musste sich die Albertina bei einer Auktion 2004 gegen zahlreiche internationale Sammler durchsetzen.

     

     

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