Männer sündigen anders als Frauen

19. Februar 2009, 18:55
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Wollust und Hochmut führen im Sünden-Ranking

Rom - Männer verhalten sich auch beim Sündigen anders als Frauen. Während Frauen eher zu Hochmut neigen, sind Männer anfälliger für Wollust. Ausgerechnet die spröde Vatikan-Zeitung Osservatore Romano hat den Schleier des Beichtgeheimnisses etwas gelüftet. Der Theologe des Päpstlichen Hauses, Wojciech Giertych, zitiert darin eine Studie des Jesuiten Roberto Busa über das Beichtverhalten. In der Rangliste der Sünden steht bei Frauen der Stolz an erster Stelle, bei den Männern Wollust, gefolgt von Völlerei, Faulheit, Zorn, Hochmut und Neid. Bei den Sünderinnen folgen Verstöße gegen die Keuschheit hinter Stolz, Neid und Zorn erst an vierter Stelle.

Dass Frauen und Männer unterschiedlich gegen die sieben Hauptsünden verstoßen, erläutert Giertych an einem Beispiel klösterlichen Lebens: "Nonnen beneiden sich im Klosteralltag manchmal um kleine Dinge, aber beim Läuten der Glocken singen alle zusammen das Vespergebet. Mönchen fehlt oft das für Eifersucht nötige Interesse füreinander, und am gemeinsamen Gebet nehmen sie selten teil." Verstöße gegen die Keuschheit seien "wegen der sozialen Folgen und Auswirkungen auf das persönliche Leben besonders gefährlich". Es gebe jedoch individuelle Unterschiede: "Während die einen sexuelle Lust über alles stellen, werden andere mehr von Macht und Reichtum angezogen", resümiert der Theologe das Ranking menschlicher Schwächen.

Sünden-Experte

Den Hinweis auf die Beichtstudie Busas versteckt der Osservatore Romano dezent in der Rezension eines neuen Buches über "Introspektion im Mittelalter". Der 95-jährige Roberto Busa gilt als Experte für die Wandlung des Sündenbegriffs im Lauf der Jahrhunderte.

Die sieben Hauptsünden sind: Stolz (Hochmut, Eitelkeit), Habgier (Geiz), Neid (Missgunst, Eifersucht), Zorn (Wut, Rachsucht), Genusssucht (Wollust, Ausschweifung), Unmäßigkeit (Maßlosigkeit) und Trägheit (Faulheit, Trägheit des Herzens oder Geistes). Erst im Vorjahr wurde das Sündenregister um gentechnische Veränderungen, Experimente an Menschen, Umweltverschmutzung, Handel und Missbrauch von Drogen, soziale Ungerechtigkeiten sowie finanzielle Raffgier erweitert. (Gerhard Mumelter aus Rom, DER STANDARD - Printausgabe, 20. Februar 2009)

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