Krise als Chance für Qualitätsmedien

19. Februar 2009, 18:54
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"Zeit"-Herausgeber: Zeitungen vermitteln Vertrauen und Reputation

Im Umfeld von Finanz- und Wirtschaftskrise gelangte Josef Joffe, Herausgeber der Hamburger "Zeit", zu einem überraschenden Schluss: "Journalismus hat eine glänzende Zukunft vor sich", sagte Joffe beim Medienseminar von Reporter ohne Grenzen. "Quality sells", bediente sich Joffe eines Schlagworts, um die Weltwirtschaftskrise zur Chance für Qualitätsmedien zu erklären: "Wenn Mediennutzer die Weltwirtschaftskrise erklärt bekommen wollen, gehen sie nicht zu Twitter", spielte der Verleger auf den neuerdings beliebten Blogging-Dienst an. Vielmehr ist journalistische Kompetenz genau dann gefragt.
Twitter verhalte sich zu richtigen Nachrichten "wie ein Quickie zu einer richtigen Liebesnacht: Die Qualität macht den Unterschied aus." Zeitungen vermittelten Vertrauen und Reputation und "bedeuten letztlich Cash", sagte Joffe.

Der Herausgeber glaubt an das haptische Erlebnis beim Zeitunglesen und kann sich doch vorstellen, dass es "vielleicht irgendwann keine Papierzeitung mehr gibt: Aber es wird immer Journalisten geben."

STANDARD-Herausgeber Oscar Bronner sieht im Zeitungssterben ein "Problem der saturierten Märkte". Für die Zukunft in der Weltwirtschaftskrise bedeute das: "Zeitungen werden damit leben müssen, mit weniger Geld auszukommen", sagte Bronner. Verleger müssten es sich zur Aufgabe machen, weiterhin Qualitätsjournalismus zu ermöglichen.

"Investitionen in die Qualität von Onlinejournalismus", vermisst Andy Kaltenbrunner (Medienhaus). Die Medienkrise werde durch Konkurrenz im Internet verschärft, sagte Verleger Eugen Russ (Vorarlberger Medienhaus). Dem widerspricht Journalistengewerkschafter Franz C. Bauer.

Dass Internet und Zeitung Gegner sind, glaubt er nicht: "Die Zeitung verkauft ein Weltbild. Das ist die Stärke der Zeitung. Zeitungsjournalisten suchen gegenwärtig einen Weg, dieses Weltbild auch im Internet zu bieten." Bauer fehlt freilich der Versuch, kritische Medienkonsumenten heranzuziehen. (Doris Priesching/DER STANDARD, Printausgabe, 20.2.2009)

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