Die Sliwowitz-Integration

19. Februar 2009, 18:50
posten

Katrin Bauerfeind und Henning Wehland müssen Integrationspunkte sammeln, um sich am Ende in Istanbul einen "türkischen Pass" zu verdienen

So viel Geduld, wie der Weg der Türkei in die Europäische Union lang ist, hat das Fernsehen nicht. Deshalb machte es sich selbst diplomatisch zu schaffen und schickte zwei der aufgeschlossensten Botschafter einer jungen, zupackenden und gern auf Tuchfühlung gehenden Generation in vier Etappen an den Bosporus:

Am Weg dorthin müssen sich Katrin Bauerfeind und Henning Wehland interkulturell bewähren und dabei möglichst viele sogenannte Integrationspunkte sammeln, um sich am Ende in Istanbul einen "türkischen Pass" zu verdienen.

Dass man sich in Zeiten wie diesen mit einem kurz vor der Verschrottung stehenden alten VW-Bus nicht nur an der Autoindustrie versündigt (Sarah Wiener durfte das noch), sondern auch allzu offensiv dem Klischee vom südosteuropäischen Straßenbild frönt, das war ziemlich kühn.

Auch sonst nahm man es mit der Integration nicht so papieren: pro Sliwowitz ein Integrationspunkt! Das fiel Herrn Wehland gar nicht schwer. Und die Pferde des Schnapsbauern räkelten sich dazu im noch taunassen Gras. Es war früh.

Dass Frau Bauerfeind ihrerseits einen kroatischen Friseur ranlassen musste, brachte gleich satte zwölf Punkte. Nur gerecht! Er lehrte sie, die Nationalhymne in der Originalsprache zu singen. Für solche Einbürgerungstests stellt man sich doch gern das EU-Fähnchen ins Cockpit! Nächsten Mittwoch geht's weiter, 3sat, 23.15 Uhr.  (Margarete Affenzeller/DER STANDARD, Printausgabe, 20.2.2009)

Share if you care.