Berufungsverfahren mit Filmriss

19. Februar 2009, 19:11
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Bereits zum zweiten Mal rein männlich besetzter Zweiervorschlag deponiert, obwohl es "eine überragende Kandidatin" gab

Die Filmakademie sucht eine/n "Schnitt"-Professor/in. Seit bald zwei Jahren. Eingeladen zur Präsentation wurden drei Frauen und zwei Männer. Auf dem Vorschlag für den Rektor landeten nur die zwei Männer.

Wien – An der Filmakademie Wien steht nun seit bald zwei Jahren ein Film namens "Berufungsverfahren Schnitt-Professur" am Programm, den das Publikum mit zunehmendem Unmut und Argwohn verfolgt.

Der Ärger in der Studierendenschaft der Uni für Musik und Darstellende Kunst (zu der die Filmakademie als "Institut für Film und Fernsehen" gehört), aber auch in der Filmszene, entzündet sich daran, dass die (mehrheitlich männlich besetzte) Berufungskommission mit einflussreichen Filmgrößen Österreichs, dem Vernehmen nach schon zum zweiten Mal einen rein männlich besetzten Zweiervorschlag im Rektorat deponiert hat, auf dass Rektor Werner Hasitschka den neuen Professor für die Studienrichtung Schnitt auswähle. Mit dieser Bestellung wäre die Filmakademie – nach dem pensionsbedingten Abgang von Schnitt-Professorin Hannelore Götzinger – in rein männlicher Führung. Drehbuch, Kamera, Produktion und Regie werden von Männern geleitet.

Der erste Zweier-Vorschlag wurde 2007 nach einer Beschwerde des Gleichbehandlungs-Arbeitskreises wegen Diskriminierung aufgrund des Geschlechts von der Schiedskommission zurückgewiesen – wegen Verfahrensmängeln. Das Unigesetz verlangt "einen begründeten Besetzungsvorschlag, der die drei für die Besetzung der ausgeschriebenen Stelle am besten geeigneten Kandidatinnen und Kandidaten zu enthalten hat. Ein Vorschlag mit weniger als drei Kandidatinnen und Kandidaten ist besonders zu begründen."

Diese Begründung fehlte an der Filmakademie, bestätigt die Vorsitzende der Schiedskommission und Richterin am Verwaltungsgerichtshof, Marianne Händschke: "Uns fehlen in den Unterlagen Details. Die Berufungskommission muss neu entscheiden und den Vorschlag klar begründen." Die Berufungskommission hatte mit Michael Hudecek (Europä-ischer Filmpreis "Bester Schnitt" für Caché von Michael Haneke) und Michael Palm (Filmemacher und -theoretiker, der u. a. an der Filmakademie lehrt) zwei fachlich unbestrittene Männer nominiert, aber keine Einzige der drei Frauen, die zu einer öffentlichen Präsentation eingeladen worden waren. Was viele stutzig machte.

Vor allem Cutterin Karina Ressler soll mit ihrem Auftritt klar überzeugt haben: "Die deutliche Mehrheit der Studierenden würde sie sehr gern sehen", so ein Studentenvertreter. Ressler, die zur Causa keine Stellungnahme abgeben will, verfügt nicht nur über eine aussagekräftige Filmografie, aus der aktuell der Oscar-nominierte Film Revanche von Götz Spielmann herausragt. In einer Petition forderte das Who's who der heimischen Filmbranche die Aufnahme der Cutterin in einen Dreiervorschlag, da Resslers Nichtberücksichtigung angesichts ihrer "unbestreitbaren Qualifikationen nicht nachvollziehbar ist".

Einer von dutzenden Petitionsunterzeichnern, Oscar-Kandidat Götz Spielmann, sagt im Gespräch mit dem Standard: "Fachlich sind alle sehr geeignet, aber es gibt eine überragende Kandidatin. Es geht um eine Kunst-Universität, es kommt auf die intellektuelle Auseinandersetzung an, die Fähigkeit zur Motivation, und Karina Ressler ist pädagogisch und intellektuell brillant. Wenn jemand so vehement verhindert wird wie sie, dann vielleicht, weil die Entscheidungsträger Angst vor dieser geistigen Vitalität und Kreativität haben."

Berufungskommissionsmitglied Michael Haneke sagt schweigepflichtbedingt zum Standard nur, er wisse nicht, wann mit einer Entscheidung zu rechnen sei, er habe sich abgewöhnt, an der Uni rasche Entscheidungen zu erwarten. "Wir werden eine Lösung finden und haben wegen des laufenden Verfahrens Institutsleiter Peter Patzak zusätzliche Lehrveranstaltungen zugesagt, um die Lehre zu unterstützen", so die zuständige Vize-rektorin Claudia Walkensteiner-Preschl. (Lisa Nimmervoll, Dominik Kamalzadeh/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.2. 2009)

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    Für die Rolle der "Schnitt"-Professur am Institut für Film und Fernsehen kommen laut Berufungskommission nur Männer infrage.

  • Cutterin Karina Ressler.
    foto: standard/nick albert/prismafilm

    Cutterin Karina Ressler.

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