Im Rausch der Spätromantik

19. Februar 2009, 18:11
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Die Philharmoniker unter Mehta mit Wolf, Marx und Schubert im Musikverein

Wien - Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich. Trotzdem: Wenn Zubin Mehta - wie in der philharmonischen Soiree am Mittwoch im Wiener Musikverein - Werke von Joseph Marx aufführt, so stellt dies für so manchen politisch korrekten Berufsfortschrittlichen ein ähnliches Sakrileg dar wie die Aufführung von Richard Wagner in Israel. Mehtas Eintreten für einen Komponisten, der das Musikleben Österreichs in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts dominierte, dann aber aus politisch unterfütterten stilistischen Gründen zum Paria wurde, zeugt von einer ungewöhnlichen künstlerischen Courage.

Schon vor 33 Jahren hat Mehta mit der dem Romantischen Klavierkonzert gemeinsam mit dem New York Philharmonic Orchestra eine auch hier allmählich einsetzende Marx-Renaissance eingeleitet und nun in Wien von Marjana Lipovšek und dem von Bertrand de Billy geleiteten RSO Wien mit der Liedersymphonie Verklärtes Jahr fortgesetzt. Mit den vier Orchesterliedern, die Zubin Mehta mit der bayrischen Kammersängerin Angela Blasi nun in New York und Los Angeles präsentiert, erfährt diese einen weiteren starken internationalen Impuls.

Mehta positioniert diese vier Lieder nach der von den Philharmonikern mit aller Leichtigkeit vorgetragenen Italienischen Serenade von Hugo Wolf, zu welcher dann deren flirrend pastoser, zwischen Spätromantik und Impressionismus changierender Orchesterstil wirkungsvoll kontrastierte. Die Lieder, ursprünglich für Klavier und Singstimme komponiert, sind von den gleichen, für heutige Begriffe gewöhnungsbedürftigen textlichen Ressourcen gespeist, aus denen auch Richard Strauss schöpfte.

In der opulenten Üppigkeit der Philharmoniker werden diese Lieder zu dampfenden Gefühlsräuschen. Angela Blasi hat sich gegenüber der dynamischen Übermacht des Orchesters zwar nicht immer das nötige Gehör verschaffen können, die Linien der schwärmerischen Melodik aber doch gut nachzuzeichnen vermocht. (Peter Vujica / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.2.2009)

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