Tradierte, adaptierte Werte

19. Februar 2009, 18:07
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Ratgeber "Was wir wieder schätzen sollten" umfasst Benimmregeln, Manieren, Etikette, Umgangsformen im privaten wie auch öffentlichen Leben

Über Sinn und Unsinn, über Wert und Unwert der Erhaltung, Bewahrung, Veränderung oder Missachtung tradierter Wertesysteme sinnieren Christine Paxmann, Johannes Thiele und Desirée Treichl-Stürgkh in ihrem programmatisch betitelten Ratgeber "Was wir wieder schätzen sollten" . Der diskutierte Themenkreis umfasst Benimmregeln, Manieren, Etikette, Umgangsformen im privaten wie auch öffentlichen Leben. Hinterfragt werden familiäre, religiöse Rituale, Pflege des Freundeskreises, der Tischsitten, des Feierns. Was ist zeitgemäß, was obsolet, was bedarf einer Adaptierung für das 21. Jahrhundert.

Was aber ist Teil unserer Kultur, unserer Sozialisierung? Was unterscheidet Brauchtum von Irrtum, und wie kann man sich vor Volks-dümmlich-keiten schützen? "Tradition bedeutet, das Feuer und nicht die Asche weitertragen" , konstatiert Opernball-Organisatorin Desirée Treichl-Stürgkh im Vorwort. Durch stetiges kritisches Hinterfragen werden überlieferte Werte der Zeit entsprechenden Metamorphosen unterzogen. Im Bewussten des tradierten Unterbewussten aber wird dies behutsam sein. Umgangsformen, Höflichkeit, friedvolles Miteinander, Verständnis, Akzeptanz - was althergebracht unter Tugend firmierte kann vor allem in Zeiten substituierter Ausbildung zur positiven Differenzierung beitragen. Ohne Verlust spontaner Individualität.

Bewusste persönliche Grenzziehungen, Auslotungen sowie Grenzüberschreitungen werden erst durch zuvor erfolgte grundsätzliche Vermittlung von Normen möglich. Relevant ist, wie weit einander Moral und sophistische Semantik konterkarieren. Was das mit dem Opernball zu tun hat? Nun, prinzipiell alles und nichts. Partiell aber die sehr konkrete Erkenntnis, dass das Feiern von Festen für Individuum und Gesellschaft stets wertvoll ist; Etikette, Stil, Geschmack aber a priori nicht im Geringsten mit Macht und Mammon korrelieren. Quod erat demonstrandum. (Gregor Auenhammer, DER STANDARD - Printausgabe, 20. Februar 2009)

Paxmann, Thiele, Treichl-Stürgkh: "Was wir wieder schätzen sollten" , Brandstätter, Wien 2009, 280 Seiten, Euro 19,90,-

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