Ein echter Qualitätschub

19. Februar 2009, 20:24
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Die Nominierung von Ernest Gabmann als Nachfolger von Christian Domany ist ein verheerendes Signal für den Kapitalmarkt - Claudia Ruff

Die Nominierung von Niederösterreichs Landesrat Ernest Gabmann (VP) am Aufsichtsrat vorbei als Nachfolger von Flughafen-Vorstand Christian Domany ist ein verheerendes Signal für den Kapitalmarkt. Bereits Domany hatte keine Erfahrung mit der Führung eines börsennotierten Unternehmens. Jetzt kommt Gabmann - mit 60 Jahren knapp vor der Pension -, ein lupenreiner Politiker, der einzig nach der Handelsschule im Baustoff- und Mineralölhandel seines Vaters in Schrems in einem Betrieb tätig war.

Gerade in Krisenzeiten, wo nur die besten Leute mit Branchenerfahrung für Spitzenjobs ausgewählt werden sollten, ist das eine aberwitzige Bestellung. Von Flughafen-Aufsichtsratschef Johannes Coreth (pensionierter Vorstand der NÖ-Versicherung) und von Erwin Prölls Gnaden abhängig, ist bei der Neubesetzung kein Widerstand zu erwarten. Hat die Politik von Bestellungen wie jener Martin Hubers (Ex-ÖBB-Chef) oder Alfred Ötschs (Ex-AUA-Chef) nichts gelernt? Nein, denn im Aufsichtsrat der ÖBB soll bald schon VP-Exverkehrssprecher Helmut Kukacka einziehen.

Warum muss eigentlich immer jemand von außen kommen, wenn Toppositionen nachbesetzt werden? Gibt es intern keine qualifizierten Mitarbeiter, die dafür geeignet wären? Und warum braucht man einen Aufsichtsrat, wenn Zurufe aus der Politik genügen? Die Politiker sind immer fein raus, wenn sich die Bestellung später als Fehlgriff erwies, weil: Verantwortlich und haftbar ist letztlich der Aufsichtsrat. Ob das jedem klar ist? (Claudia Ruff, DER STANDARD, Printausgabe, 20.2.2009)

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