Frauen in allen Beschäftigungsgruppen schlechter als Männer bezahlt

19. Februar 2009, 18:03
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Rechnungshof legt Ausschuss Einkommensbericht 2006/2007 vor: Auch innerhalb der Branchen verdienen die Kolleginnen weniger

Wien - Der Rechnungshof hat alle zwei Jahre an den Nationalrat über durchschnittliche Einkommen der gesamten Bevölkerung, aufgeschlüsselt nach Männern und Frauen, getrennt nach Branchen, Berufsgruppen und Funktionen, zu berichten. Dieser Einkommensbericht, der in Kooperation mit der Statistik Austria erstellt wird, stand am Donnerstag auf der Tagesordnung des Rechnungshofausschusses.

Ursachen der Einkommensschere

Laut Parlamentskorrespondenz ist dem Einkommensbericht über die Jahre 2006 und 2007 zu entnehmen, dass der Einkommensnachteil der Frauen gegenüber den Männern zwar geringer geworden ist, jedoch immer noch deutlich ersichtlich wird. Die Ursachen der Einkommensschere lassen sich auf eine überwiegende Beschäftigung in Niedriglohnbranchen, eine überproportionale Beschäftigung in Hilfs- und Dienstleistungstätigkeiten, dem geringer Anteil an Frauen in Führungspositionen und die Teilzeitarbeit, die ein "weibliches Phänomen" darstellt, zurückführen.

Weniger bleibt weniger

Das Einkommen hängt vom Wirtschaftsbereich ab: So gibt es das höchste Medianeinkommen im Bereich der Energie- und Wasserversorgung (45.106 €), das niedrigste im Beherbergungs- und Gaststättenwesen (9.737 €). Frauen sind überproportional in Branchen mit niedrigen Einkommen tätig - aber auch innerhalb der Branchen verdienen sie weniger als Männer: zwischen 56 Prozent (Handel) und 74 Prozent (Beherbergungs- und Gaststättenwesen).

Beispiele

Mehr als zwei Drittel aller weiblichen ausschließlich selbständig Erwerbstätigen sind in Branchen beschäftigt, in denen das mittlere Einkommen der Frauen weniger als 70 Prozent von dem der Männer beträgt. Besondere Beispiele: Rechtsberater 68.696 €, Rechtsberaterin 42.664 €, Facharzt 133.763 €, Fachärztin 55.110 €.

Teilzeitbeschäftigung trifft Frauen zudem mehr als Männer: 89 Prozent aller Teilzeitbeschäftigten waren weiblich, 39 Prozent aller erwerbstätigen Frauen (4 Prozent aller erwerbstätigen Männer) waren teilzeitbeschäftigt.

Insgesamt ist die Zahl der Beschäftigten um rund 1,5 Prozent (Frauen 2,1 Prozent, Männer 1,1 Prozent), der Frauenanteil von 44 Prozent im Jahr 1998 auf 46 Prozent im Jahr 2007 gestiegen.

BeamtInnen-ArbeiterInnen-Schere

Das mittlere Bruttojahreseinkommen betrug 22.815 €, das niedrigste Medianeinkommen (bei den ArbeiterInnen) 17.848 €, das höchste (bei den BeamtInnen) 43.781 €. Das höhere Medianeinkommen bei den BeamtInnen geht auf die höhere AkademikerInnenquote, die höhere Altersstruktur, den niedrigeren Anteil an Teilzeit und auf nicht ganzjährige Beschäftigung sowie auf das höhere mittlere Einkommen in unteren und das niedrigere Einkommen in höheren Positionen zurück; ferner ist der Einkommensnachteil der Frauen gegenüber den Männern geringer.

Verwaltungsdaten als Basis

RH-Präsident Josef Moser wies darauf hin, dass dem Rechnungshof die Berechtigung fehle, den Bericht um Transfereinkommen zu erweitern. Bei der Land- und Forstwirtschaft und im Tourismusbereich gehe es um tatsächliche Einkommen, teilte er mit. Seitens der Statistik Austria sei er darauf hingewiesen worden, dass sie keine eigenen Erhebungen durchführe, sondern auf Verwaltungsdaten zugreife.

Für alle Gruppen werden die bezogenen Jahreseinkommen herangezogen. Für die Daten ist der Wohnsitz, also der Ort, den die ArbeitgeberInnen im Jahreslohnzettel angibt, entscheidend und nicht der Arbeitsort. Bei unselbständig Erwerbstätigen sind Provisionen und Belohnungen Teil des lohnsteuerpflichtigen Einkommens. (red)

 

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