"Unkultur für den Finanzplatz Wien"

19. Februar 2009, 17:50
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Rasinger ist "empört" über die Bestellung von Ernest Gabmann zum Flughafen-Vorstand. Der erbt Probleme beim noch immer nicht fertigen Terminal Skylink

Wien - Das Management am Wiener Flughafen ist in heller Aufregung vor der am Freitag stattfindenden Aufsichtsratssitzung. Der Plan ist nach wie vor, die Vorstandsverträge von Herbert Kaufmann (Sprecher) und Gerhard Schmid (beide SPÖ), die im September auslaufen, um weitere fünf Jahre zu verlängern. Doch der plötzliche Abgang von Finanz- und Bauvorstand Christian Domany (ÖVP) legt die Nerven frei. Domany, jung verheiratet, geht mit seiner Frau nach Paris. Ulrike Domany-Funtan arbeitet dort künftig für Johnson & Johnson.

Massive Kritik hagelt es an der für ein börsennotiertes Unternehmen ungewöhnlichen Form der Postenbesetzung. Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll hat am Aufsichtsrat vorbei seinen Wirtschaftslandesrat Ernest Gabmann nominiert. Die Länder Wien und Niederösterreich halten jeweils 20 Prozent am Flughafen und sind die dominanten Aktionäre. Wie der Vorstand ist auch der Aufsichtsrat mit Vertretern der schwarzen und der roten Reichshälfte paritätisch besetzt.

Gabmann, seit 1983 Politiker (mit Handelsschulabschluss) soll künftig als Finanzvorstand das Unternehmen wortgewandt vor Investoren und Analysten auf Roadshows vertreten - wie das gehen soll, fragen sich Experten. Für Anleger-Vertreter Wilhelm Rasinger ist die Bestellung am Aufsichtsrat vorbei "empörend, der Aufsichtsrat wird dadurch zum Abnicker degradiert" . "Das ist eine Unkultur für den Finanzplatz Wien", sagte Rasinger zum STANDARD.

Während ÖVP-Parteigänger über die Art der Postenbesetzung nur aus dem Off schimpfen ("Im Mostviertel gelten die Kapitalmarktgesetze nicht.") und der Kapitalmarktberater von Finanzminister Josef Pröll, Richard Schenz, für eine Stellungnahme gar nicht erreichbar war, versteht SPÖ-Grande Hannes Androsch die Aufregung nicht: "Was ist daran überraschend? Das ist schlechte Tradition und das ist das System Pröll."

Übers Ziel hinau?

Andere ÖVP-Quellen glauben, der Landeshauptmann habe nach Domanys überraschendem Rückzug schlicht übers Ziel hinausgeschossen. Denn Gabmann sei eigentlich als Nachfolger von Flughafen-Aufsichtsratschef Johannes Coreth vorgesehen gewesen.

Aber: Pröll sei mit Domany seit geraumer Zeit unzufrieden gewesen, heißt es. Sehr lang genossen hatte die Gunst des Niederösterreich-Chefs aber auch Domanys Vorgänger, Kurt Waniek (ebenfalls VP), nicht, auch er ging nach wenigen Jahren abrupt von Bord.

Sargnagel beider Flughafen-Karrieren ist der neue Terminal Skylink. Er sollte ursprünglich Ende 2008 fertig sein, jetzt ist man bei Anfang 2010. Statt 400 Mio. Euro sind jetzt 657 Mio. Euro budgetiert. Umplanungen inklusive.

Die Probleme sind vielfältig: Nach Baubeginn ging der Haustechnik-Planer pleite, was der Gebäudetechnik-Firma des Klaus Ortner das Geschäft ihres Lebens bescherte, sie übernahm Neuplanung und Ausführung. Abgerechnet wurde mangels Kalkulationsgrundlagen auf Stundenbasis. Die Folge: eine Preisexplosion - und ein Eldorado für Subunternehmen. Bei der Bauausschreibung machte die deutsche Hochtief das Rennen, obwohl Strabag dem Vernehmen nach damals nur um rund 500.000 Euro teurer war. Noch beim Rohbau wurden von Hochtief die Fluggastbrücken zu früh ausgeschalt, sie senkten sich, mussten neu gemacht werden. (Claudia Ruff, Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Printausgabe, 20.2.2009)

  • Bei Flughafen und AUA wechseln Vorstände im Eiltempo. Am Freitag wird nach dem Abgang von Christian Domany am Airport wieder ein neues Führungsteam bestellt.
    foto: hendrich

    Bei Flughafen und AUA wechseln Vorstände im Eiltempo. Am Freitag wird nach dem Abgang von Christian Domany am Airport wieder ein neues Führungsteam bestellt.

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