Weißbuch der Dächer

19. Februar 2009, 16:52

Der Treibhauseffekt ließe sich verlangsamen - und zwar mit weißen Dachlandschaften, die die Hitze reflektieren statt absorbieren

Doch Politik und Wirtschaft sind an einer einfachen Lösung nicht interessiert.

***

Vom Flugzeug aus betrachtet hat jede Stadt ihre eigene Farbe. Paris erscheint silbergrau, Rom ist in einen schillernden Ockerton getaucht und die Innenstadt von Graz erstrahlt in einem kräftigen Ziegelrot. Doch die Dachlandschaft von Großstädten hat nicht nur Auswirkungen auf das Ambiente, sondern auch auf das Klima. Was vor einigen Jahrhunderten, als die zahlreichen Palazzi und Palais gebaut wurden, noch keine Rolle spielte, stellt sich nun als wichtiger Klimafaktor heraus: Dunkle Dachflächen beschleunigen den Treibhauseffekt, da sie viel Sonnenenergie absorbieren und dadurch zur Erwärmung der Stadt beitragen.

Die Lösung für das urbane Dilemma bietet eine Studie des Lawrence Berkeley National Laboratory, die im September 2008 im Rahmen der California Climate Change Conference in Sacramento präsentiert wurde. "Paint your roof, save the planet", lautete der Aufruf von Physiker Hasehm Akbari. Nicht auf bunte Vielfalt hatte er es dabei abgesehen, sondern auf Weiß. Wie auf T-Shirts und Autos vielfach bewiesen, senkt die helle Oberfläche die Temperatur, indem ein Großteil des Lichts reflektiert wird.

Die errechneten Einsparungen sind gigantisch: Ein durchschnittliches Einfamilienhaus mit einer Dachfläche von 100 Quadratmetern könnte im Jahr demnach rund zehn Tonnen Kohlendioxid ausgleichen. Dem nicht genug. Akbari appelliert an die Regierung der USA, in den zehn größten Ballungsräumen des nordamerikanischen Kontinents sämtliche Dächer weiß zu streichen bzw. mit weißen Materialien einzudecken.

Ein ganzer Kontinent in Weiß

Allein durch diese Maßnahme ließen sich in den USA pro Jahr 24 Gigatonnen CO2 einsparen. Das ist rund die Hälfte der weltweiten Kohlendioxid-Mengen, die Jahr für Jahr in die Atmosphäre geschleudert werden. Mit einer Ausweitung der weißen Zone auf andere Kontinente könnten die CO2-Emissionen noch stärker gesenkt werden. "Ich nenne das Win-win-win", sagt Hasehm Akbari und nennt die drei Vorteile dieses Konzepts: "Man spart Kühlenergie ein, man reduziert den Smog und man verringert die Erderwärmung."

Die Idee der weißen Dächer hat auch in Europa schon erste Anhänger. So malte etwa das Schweizer Unternehmen Jenni Energietechnik AG vor einiger Zeit das Dach des Verwaltungsgebäudes weiß an. "Wir haben das als PR-Aktion gesehen", sagt Geschäftsführer Josef Jenni, "außerdem wollten wir die Politik wachrütteln und vorzeigen, in welche Richtung die Entwicklung gehen könnte." Allein, die Aktion verpuffte. Mittlerweile ist die weiße Farbe wieder ab. "Herkömmliche Farbe auf dem Dach ist nicht ganz unproblematisch", wie Jenni betont, "hier ist der Markt gefordert, entsprechende Produkte zu entwickeln."

Skeptisch wird die Materialfrage auch hierzulande unter die Lupe genommen. "Die Idee ist interessant und ist sicherlich eine gute Grundlage, um auch in Österreich eine derartige Studie durchzuführen", erklärt Karin Stieldorf von der Arbeitsgruppe für nachhaltiges Bauen an der TU Wien. "Doch die eigentliche Frage lautet: Wie macht man ein Dach weiß, und welche Auswirkungen wird das auf das Stadtbild haben?"

Weiße Dächer wären nicht nur eine Herausforderung für Politik, Tourismus und Denkmalschutz, sondern auch für die gesamte Industrie. Der Großteil der bestehenden Bausubstanz ist mit Dachziegeln gedeckt. Helle Dachsteine gibt es zwar, ein weißer müsste allerdings erst entwickelt werden. Doch das Interesse ist gering. "Da wir von dieser Studie und den darin enthaltenen Überlegungen zum ersten Mal hören", heißt es etwa seitens des österreichischen Marktführers Wienerberger AG, "können wir seriöserweise keine Aussage treffen." (Wojciech Czaja, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.2.2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 28
1 2
grgr grn
00
31.3.2009, 01:08
Wo sind die weißen Autodächer hin verschwunden?

Seit sie weg sind, läuft die Aircondition.

grgr grn
00
31.3.2009, 01:05
Mit weißen Folien überspannen, wie beim Ringturm in Wien.

Oder, wie bei den Hurrican-Häusern in Florida. Damit können auch zukünftige Dach-Sanierungen eingespart werden.

Hanna Funk
01
26.3.2009, 14:39
Gründach statt Weißdach

Wo es machbar ist, sollen doch bitte erstmal bepflanzte Gründächer angedacht werden - klimaregulierend durch Wasserspeicherung, erzeugt ein gesundes Mikroklima am Dach und auch dem Wohnklima bekommts ganz gut.

Grantscherben
00
25.2.2009, 17:13
Eine schräge Gschicht ...

Welcher Farbtopfhersteller hat denn da seine Griffeln im Spiel gehabt!?
In über das ganze Jahr sehr heissen Gegenden mag das Sinn machen, aber Dächer sollten eher die Energie die darauf prallt nutzen anstatt sie zu reflektieren.
... und wieso dürfen überhaupt noch konventionelle Energierverschwenderbuden - evntl. noch mit Wohnbauförderung - aufgestellt werden.
.. oder Glaspaläste die im Sommer mehr Energie fürs Kühlen verbrauchen als im Winter fürs Heizen... und der Architekt kriegt noch an Preis dafür!?

franzmann
00
26.3.2009, 14:32
stimmt

das ist sicher in heißen gegenden sinnvoll, aber bei 6 monaten winter?!

dachdecker1
00
24.2.2009, 17:16
1. kein Blödsinn, 2. wird tw. schon angewandt

Die Idee ist nicht ganz neu, allerdings hat sich nocn keiner die Mühe gemacht, die REflexion ind CO2-Äquivalente umzulegen. Man verwendet heute auf vielen Flachdächern helle Folien (zugegebenermaßen nicht weiß) und Kies um die Aufheizung zu veringern (= gut fürs Dach und gut für die Raumaufheizung im Sommer).
Beim Steildach siehts noch anders aus, da ist es fast verpönt, helle oder weiße Flächen auszuführen.
Problem ist generell auch die unvermeidbare Verschmutzung...

. Diogenes
01
24.2.2009, 10:48
Die Idee ist ausbaubar

Zum Beispiel könnten alle dunkelhaarigen Menschen
dazu angehalten werden ihre Haare blond zu färben
oder sich gleich kahlscheren zu lassen inklusive
täglicher Glatzenpolitur wegen der Lichtreflektion.

Wieviel Demokratie ist es bitte?
01
24.2.2009, 10:44
Hirnverbrannt

Es gilt Sonnenlicht technisch zu nutzen, anstatt den Weltraum damit zu heizen, es geistig unreflektiert in selbigen zurückzureflektieren. Außerdem sehen weisse Dächer Roy-Black-artig behummst aus http://arildrafalzik.de/bu_cd_39_kl.jpg und wenn sie nicht schmutzabweisend sind, kann man sich ihren Zustand nach einem Jahr Kontakt mit Abgasen, Ruß, Stäuben, etc. vorstellen. Sind sie aber schmutzabweisend, etwa durch den Lotuseffekt, suppt uns der Dreck komplett auf die Frisur, wenn's in einer Großstadt regnet.

Werner FROELICH
00
23.2.2009, 13:09
sind Wasserflächen auch verboten?

wegen der Blendung des Flugverkehrs?

krosser pruter
00
22.2.2009, 03:31
ist in ö mmn nicht erlaubt

wegen der blendung des flugverkehrs (im ernst)

Werner FROELICH
00
23.2.2009, 13:15
spiegelnde Flächen

aber nicht weiße, matte Flächen mit sogar besserem Reflektionsfaktor.
Weiß wird von der Baubehörde und wegen Ortsbild verboten!

Queen of Sheba
 
05
20.2.2009, 23:27
Die Dachflächen müssen für Fotovoltaik und Fotothermik genutzt werden.

Alles Andere ist purer Humbug. Das sollte Frau Stieldorf (Assistentin) aus ihrer Zeit bei Prof. Panzhauser eigentlich wissen. Oder braucht sie Geld für eine "Studie" ?

gustl
 
00
23.2.2009, 14:24
Kommt darauf an

Weisse Dachanstriche lassen sich leichter auf bestehenden Dächern anbringen und kosten weniger als z.B. Fotovoltaik. D.h. ganz von der Hand weisen würde ich die Sinnhaftigkeit nicht.

Abgesehen davon währe eine großflächige Anwendung schwarzer Flächen (z.B. Solarfarmen in Spanien, Indien, Sahara, etc.) schon ein Problem für das lokale Klima. Man müsste versuchen die mittlere Absorptionsrate einer Fläche zumindest in der Nähe von "Wald und Wiese" bzw "Wüste" zu halten.

Allerdings sind wir noch lange nicht dort, zuerst müssten wir die Solarzellenproduktion um den Faktor 10000 erhöhen, dann aufstellen anfangen, und erst nach einiger Zeit würden wir reflektierende Anteile aufbauen müssen.

Queen of Sheba
 
00
23.2.2009, 15:59
Sonnenkollektoren wandeln die Strahlung in Nutzwärme bzw. elektrischen Strom um.

Sie ersetzen damit aus Verbrennung entstehendes CO2. Welches CO2 ersetz das zurückgeworfene Sonnenlicht, um wo landet dieses ? Doch nicht etwa außerhalb der Atmosphäre ?

Pumuckel Salzstreuer
00
23.2.2009, 09:42
Mit Mass und Ziel...

In Ö wo die grosse Mehrheit der Haushalte und viele Büros im Sommer nicht klimatisiert (was zu olfaktorisch unglaublich vielschichtigen Öffis im Sommer führt) mag das schon stimmen, aber in USA ist das fraglich, da sich mit dem Photovoltaischen Energiegewinn übers Jahr nicht die gleiche Einsparung an Energie erzielen lässt, wie mit der thermischen Entlastung durch Reflexion.

Photothermik ist geil (und absorbiert die Wärme ja zum grossen Teil selbst, womit weniger ins Hausdach kommt) lässt sich aber halt nicht in 'Kühlenergie' umwandeln, oder zumindest nicht einfach und effizient.

Photothermik auf weissen, leicht konvexen Dachflächen vielleicht? Bei uns hingegen wäre mit Dämmung der Altbauten weit mehr zu erreichen, leider macht's keiner.

Queen of Sheba
 
00
23.2.2009, 16:16
Fotothermische Anlagen schatten ihre Trägerflächen ab.

Reflexion spart nur bei der Kühlung Energie ein. Doch dafür gibt es genug bauliche Maßnahmen.

Werner FROELICH
00
23.2.2009, 13:12
es gibt Wärme-getriebene Kühlanlagen

http://www.solarserver.de/solarmaga... 002-e.html

dermartino
00
21.2.2009, 12:32

Solche Fragestellungen Architekten anzuvertrauen ist schon mal ein grundsätzlicher Fehler...

Queen of Sheba
 
00
21.2.2009, 14:22
Man braucht sich nur anzuschauen, welche Bauten er/sie ausgeführt hat.

Wenn er/sie als Universitätslehrer überhaupt eine Befugnis hat, was allerdings selten ist (etwa 10 %).

stormy andy
 
01
20.2.2009, 08:22
mit flachen dächern und hellem kies darauf

wäre diese idee zum großteil relativ einfach umsetzbar!

Queen of Sheba
 
00
20.2.2009, 23:23
Umkehrdächer machen nur Promille der Dachflächen aus.

stormy andy
 
00
23.2.2009, 13:34
man kann auf jedes flachdach kies aufbringen.

das erfordert zwar statisch etwas mehr aufwand, dafür erspart man sich die mechanische befestigung der dachhaut (gegen sog), was die kosten in etwa wieder ausgleicht!

Queen of Sheba
 
00
23.2.2009, 16:04
Nur Umkehrdächer erlauben Kiesoberflächen.

Diese sind derzeit meist grau und ergeben für die dargestellte Erhöhung der Reflexion einen zu vernachlässigenden Anteil.

Radioactivesuperspiderman
00
20.2.2009, 07:43

die zahlen kommen mir etwas übertrieben vor. sicher, die Auswirkungen auf das Stadtklima sind vermutlich beträchtlich, insofern eine super Idee. Aber wie soll so eine Maßnahme die hälfte(!) des gesamte co2 - ausstoßes reduzieren?

Queen of Sheba
 
00
21.2.2009, 04:53
Die Dächer machen in Österreich etwa ein halbes Prozent (!) der Landesfläche aus.

Weltweit sicher ein Bruchteil davon. Damit ist das Potential der Absorbtionsminderung klar.

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