"Züchten Sie im Winter Ananas?"

19. Februar 2009, 16:26
posten

Die Richtlinien der Wohnbauförderung sind strenger geworden

Unterstützung erhalten Häuslbauer und -sanierer meist nur, wenn sie energiesparende Maßnahmen wie thermische Dämmung miteinplanen.

***

Mit einem "Online-Energie-Check" - zu finden etwa auf dem Webportal von EnergyGlobe - kann man sich quasi spielerisch informieren, wie es um den energetischen Zustand des Eigenheims bestellt ist. In die Benutzermaske gibt man Schritt für Schritt Daten wie Wohnfläche, Baujahr, Heizungsart ein. Knackige Kommentare, etwa "Züchten Sie im Winter Ananas?", wenn der Energieverbrauch etwas überzogen ist, peppen das Tool auf.

Weitere Angaben zu Haustyp, Außenwand, Dämmung etc. müssen eingegeben werden. Schließlich berechnet das Programm, wie das Haus nach den Kriterien des Energieausweises abschneiden würde - mit Ölheizung und schlechter Dämmung nicht so gut. Wie diesem Missstand zu Leibe gerückt werden kann, zeigt das 3D-Musterhaus, an dem sich Sanierungsmaßnahmen setzen lassen. Der User sieht in Echtzeit wie sich diese auf CO2-Ausstoß und Energie-Verbrauch auswirken. Diese Werte sind für angehende Häuslbauer nicht ganz unwesentlich. Zumindest wenn man für Sanierung oder Neubau eines Hauses Geld von der öffentlichen Hand - sprich Wohnbauförderung - erhalten will. Derzeit werden hierzulande jährlich rund 2,5 Milliarden Euro an Subventionen für den Wohnbau ausgegeben.

Wer, wann und wie gefördert wird, das bestimmt jedes Bundesland selbst. Wobei die grundsätzlichen Kriterien in allen neun gleich sind. Unterschieden wird etwa zwischen Personenförderung und der Förderung bestimmter Baumaßnahmen: Dafür gibt es oft Geld in Form nicht zurückzahlbarer Zuschüsse. Die Personenförderung zum Beispiel ist abhängig von der errichteten Wohnfläche und vom Einkommen, für beides gelten maximale Obergrenzen. Und die sind bereits sehr unterschiedlich: 2100 Euro netto monatlich darf die Person verdienen, die einmal in einem Haus in Tirol wohnen wird, im Burgenland würde ihre Einkommensobergrenze jährlich 32.500 Euro netto betragen.

Unterschiede im Detail

In allen Bundesländern steigt die maximale Einkommensgrenze mit der Zahl der Personen, die im neu errichteten Wohngebäude wohnen werden. Zudem gibt es Zuschläge für Kinder, wobei auch bereits eine ärztliche Bestätigung einer Schwangerschaft reicht. Oberösterreich gewährt sogar für Kinder, die innerhalb von fünf Jahren nach der Bewilligung zur Welt kommen, einen Zuschlag auf ein gefördertes Hypothekardarlehen von 10.000 Euro. Von Bedeutung ist auch der Hauptwohnsitz, den der Förderwerber in der Regel dort haben muss, wo er die Förderung bezieht.

Online verfügbare Wohnbaufibeln geben Auskunft. Nachzulesen ist darin auch, dass der Energieverbrauch zunehmend an Bedeutung gewinnt. Gefördert wird, wer energiebewusst baut oder saniert.

Vorreiter bei dieser "Ökoförderung" waren Niederösterreich und die Steiermark. Salzburg und Kärnten haben bereits nachgezogen. Aber auch hier gibt's Unterschiede: In Niederösterreich definiert die im Energieausweis des Hauses ausgewiesene Energiekennzahl die notwendige Heizleistung oder den Raumwärmebedarf in Kilowattstunden (kWh). Alternativ werden dafür in Oberösterreich der k-Wert als Wärmeverlustkoeffizient, in Salzburg der LEK-Wert, der den Wärmeschutz der Gebäudehülle kennzeichnet, herangezogen.

Ein Passivhaus erreicht kaum 15 kWh pro Quadratmeter und Jahr und wird deshalb bevorzugt gefördert. Um diese Werte zu erreichen, gibt es diverse Optionen, die von der Ausrichtung des Gebäudes nach Süden über die Art und Größe der Fenster bis zur Wahl der Dämmung und Heizung reichen. Solche Einzelmaßnahmen werden auch konkret gefördert, mit einmaligen Zuschüssen wie in Wien oder im Burgenland. Dort bekommt man etwa für den Einbau einer Wärmepumpe Zuschüsse.

Schließlich soll man im Haus wohnen und keine exotischen Früchte züchten. (Markus Böhm, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.2.2009)

Share if you care.