Bank von Japan flutet Markt

19. Februar 2009, 17:34
2 Postings

1.000 Milliarden Yen für den Aufkauf von Firmenanleihen - Leitzins bleibt unverändert

Tokio - Die Bank von Japan schaltet im Kampf gegen die schwerste Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten und eine sich zuspitzende Kreditklemme einen Gang höher. Wie die japanische Zentralbank am Donnerstag in Tokio mitteilte, will sie kurzlaufende Unternehmensanleihen im Gesamtwert von bis zu 1000 Milliarden Yen (8,56 Mrd. Euro) aufkaufen, um zusätzliches Geld in die Wirtschaft zu pumpen.

Bereits angelaufene zusätzliche Maßnahmen wie der Aufkauf von Commercial Papers, mit denen sich Unternehmen kurzfristig refinanzieren, sowie Währungsoperationen zur Stützung der Dollarmärkte in Japan, würden bis Ende September verlängert. Die Notenbank hatte zuletzt darüber hinaus angekündigt, dass sie Banken Aktienbestände abkaufen will, um deren Kapitalbasis zu stärken und sie vor weiterem Werteverfall ihrer Portfolios zu schützen. Hierfür stehen 1000 Milliarden Yen zur Verfügung.

Den Leitzins, der seit Dezember nur noch bei 0,1 Prozent liegt und damit kaum mehr zur zusätzlichen Stimulierung der Wirtschaft taugt, tasteten die Währungshüter um Gouverneur Masaaki Shirakawa bei einem zwei Tage dauernden turnusmäßigen Treffen nicht an. Shirakawa äußerte sich bei einer Pressekonferenz in Tokio jedoch besorgt über die Schwäche des Marktes für Unternehmensanleihen. Die Notenbank werde alle Segmente des Finanzmarktes weiterhin genau beobachten und im Notfall eingreifen, versprach der Zentralbankchef.

Die Exportnation Japan leidet stärker als viele andere Länder unter der derzeitigen Wirtschafts- und Finanzkrise. Der Kreditkreislauf ist massiv gestört, das Bankensystem marode. Die Wirtschaft Nippons erlebte im vierten Quartal 2008 wegen des weltweiten Nachfrageeinbruchs den tiefsten Absturz seit der Ölkrise in den 1970er-Jahren.

Zustimmung und Kritik

Das Echo der Analysten auf die angekündigten Maßnahmen der Tokioter Zentralbank fiel unterschiedlich aus. Einerseits lobten Ökonomen, dass die Bank von Japan versuche, die Refinanzierung der Unternehmen über das Ende März endende Geschäftsjahr sicherzustellen.

Dass sie nur hoch geratete Unternehmensanleihen mit Laufzeiten von bis zu einem Jahr ankaufen will, missfiel aber vielen Experten. Dadurch würden nur die ohnehin stärksten Firmen an zusätzlichen Kredit kommen. Für die Masse der Unternehmen bringe der Schritt wenig, da sie von Bankkrediten abhängig seien. Japans Banken reichen wegen der Krise derzeit jedoch praktisch gar keinen Kredit mehr aus. (DER STANDARD, Printausgabe, 20.2.2009)

Share if you care.