UNESCO registriert fünf gefährdete Sprachen in Österreich

19. Februar 2009, 15:00
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Neuer Atlas dokumentiert weltweite Vielfalt - und auch das Verschwinden

Wien/Paris - In Österreich sind laut einem von der Weltkulturorganisation UNESCO am Donnerstag in Paris vorgestellten Atlas bedrohter Sprachen fünf Sprachen vom Aussterben bedroht. Burgenland-Kroatisch, Romanes und Jiddisch gelten als "definitiv gefährdet", alemannische und bayerische Dialekte als "unsicher". Weltweit gibt es laut UNESCO etwa 6.000 Sprachen, darunter 2.500 bedrohte.

"In den vergangenen drei Generationen sind bereits 200 Sprachen ausgestorben", sagte der Herausgeber der Enzyklopädie, Christopher Moseley. Im vergangenen Jahr sei die aus Alaska stammende Sprache Eyak mit dem Tod der letzten Sprecherin Marie Smith Jones verschwunden. Die Sprache Livisch könne nur noch ein einziger Mensch in Lettland. Andererseits gebe es auch Fälle, in denen bedrohte Sprachen wiederbelebt werden. "In Australien gibt es mehrere herausragende Beispiele für bedrohte Sprachen, die jetzt wieder von jungen Leuten gesprochen werden", sagte Moseley. Auch im Fall von Quechua in Südamerika und Maori in Neuseeland wachse die Zahl der Sprecher wieder.Die pazifische Inselgruppe Papua-Neuguinea gilt als die Region mit den meisten Sprachen. Die 3,6 Millionen Menschen dort sprechen insgesamt mehr als 800 Sprachen, von denen viele untereinander nicht verwandt sind. In Europa sind vor allem die keltischen Sprachen wie Gälisch und Walisisch sowie das Baskische gefährdet.

Burgenländisch-Kroatisch wird laut UNESCO nur noch von 30.000 Menschen gesprochen. Und zwar nicht nur im Burgenland, sondern auch in Ungarn und in der Slowakei. Bei der letzten Volkszählung 2001 gaben laut Statistik Austria 45.194 Österreicher Kroatisch als Umgangssprache an - davon 19.374 Burgenland-Kroatisch. Romanes, die Sprache der Roma und Sinti, wird noch von 3,5 Mio. Menschen gesprochen, neben Österreich noch in einer Reihe weiterer europäischer Länder. Für Jiddisch macht der Atlas keine Angaben über die Zahl der Menschen, die in Europa diese Sprache noch sprechen. Früher in Ost- und Zentraleuropa weit verbreitet, werde Jiddisch heute nur noch in kleinen Gebieten in Weißrussland und der Ukraine sowie von jüdischen Gemeinden in größeren Städten gesprochen. Rund zehn Millionen Menschen sprechen allemannische Dialekte, neben der Schweiz, Liechtenstein, Teilen Deutschlands, Frankreichs und Italiens auch in Vorarlberg. Und die bayerischen Dialekte werden laut UNESCO-Atals von zwölf Millionen Menschen gesprochen:  in Bayern,  Österreich und Südtirol.

In dem Atlas werden Sprachen in fünf Gefährdungsstufen angeführt: Von "unsicher" bis zu "ausgestorben". Nach der Online-Version (unesco.org/culture/ich) soll der Atlas bald auch gedruckt erscheinen. (APA/dpa)

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