Die Kinder von Major Tom

19. Februar 2009, 17:20
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Das New Yorker Trio Secret Machines definiert zwischen Pink Floyd und New Wave die alte Pop-Sehnsucht nach dem Weltraum aufregend neu

Grundsätzlich ist es so, dass man so eine Band sofort abschreiben kann. 2007 waren die Secret Machines ausgerechnet mit Weltumarmungskünstler Bono für den Soundtrack der Hollywood-Schmonzette Across The Universe im Studio. Gemeinsam verkitschte man das Gute wollend und das Böse schaffend den an und für sich tollen Beatles-Stampfer I Am The Walrus Richtung Cirque du Soleil. Ein künstlerisches Vergehen, das das in New York residierende Trio aus Texas bitter bezahlen musste. Die Secret Machines verloren ihren Plattenvertrag und hätten sich beinahe aufgelöst.

Nach dem tollen Debüt Now Here Is Nowhere von 2004, einem wuchtigen Manifest des ins Weltall weisenden Progressive Rock - auf der Basis von Led Zeppelin und Pink Floyd ohne sinnentleertes Gitarrengeniedel - versuchte man auf dem Nachfolgewerk Ten Silver Drops gar zu oft in die Effektkiste zu greifen. Ein Chorus-Effekt mit Beatles-Harmonien hier, eine mit nach öligem Pornosoundtrack klingendem Phaser-Klimbim zum Planet Beate Uhse weisende Gitarre da. Bloß die Songs hielten nicht, was das Brimborium im Studio versprach.

Neben Drummer Josh Garza setzten sich die Secret Machines damals aus dem Brüderpaar Brandon und Benjamin Curtis an Bass, Keyboards und Gitarre zusammen. Benjamin verließ die Secret Machines allerdings 2007, um sich ganz seiner zweiten Band, dem etwas esoterisch angehauchten Emo-Pop- und "Folktronica"-Projekt School Of Seven Bells zu widmen. Aus. Ende. Over.

Mit dem neuen Gitarristen Phil Karrats, einem alten Freund, mit dem Brandon Curtis auch schon dem kosmisch durchgeknallten Chorprojekt Polyphonic Spree zuarbeitete, legen die Secret Machines nun das bis dato beste Album ihrer Karriere vor. Totgesagte leben länger. Siehe auch: They always come back.

Bevor das selbstbetitelte Werk Secret Machines am Ende im elfminütigen Industrial-Lärmgewitter The Fire Is Waiting versinkt, das vom dank seiner Produzententätigkeit für David Bowie weltraumerfahrenen Tony Visconti aus seiner Gerätschaft gestanzt wurde, wird auf Songs wie Last Believer, Drop Dead oder The Walls Are Starting To Crack stilistisch so allerhand zusammengedacht. Neben klassischer Psychedelia und hartem ledzeppelineskem Riffrock schleicht sich in die Songs auch klassischer New-Wave-Rock jüngeren Datums: Interpol, Muse, The Killers, rückgeführt zu den Psychedelic Furs ("Heaven - is the home of all hearts..."), zu Gary Numan und Tubeway Army (Cars, Are Friends Electric?) oder den Sparks in ihrer letzten wirklich guten Phase zu Zeiten von Angst In My Pants.

Die Secret Machines haben ihre Lektion bezüglich die Stille hörbar machen gelernt und stellen auf ihrer Homepage das eigene Schaffen unter ein schönes Motto von Aldous Huxley: "After silence, that which comes nearest to expressing the inexpressible is music." Anders als auf dem Vorgänger Ten Silver Drops geben sie den Songs zwischendurch auch Raum, um durchzuatmen. Sehr schön etwa auch die sich als Ballade anschleichende Nummer Now You're Gone, die sich ganz im Sinne der Sparks zur großen melancholischen Poptragödie aufbaut, inklusive verhallten Tasteninstrumenten und auf dem Elefantenfriedhof klagenden Gitarren.

Das folgende The Walls Are Starting To Crack ist dann übrigens klassisch Pink Floyd mit David Gilmour verloren draußen bei den Ringen des Saturn. Der Noiseteil in der Mitte ist aber neu. (Christian Schachinger / DER STANDARD, Printausgabe, 20.2.2009)

Secret Machines - Secret Machines (Universal)

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    foto: v2/universal
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