brut-Themenpaket zum Nationalstaat

19. Februar 2009, 13:58
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Frühjahrssaison des Koproduktionstheaters auch mit Geburtstag von "imagetanz" und einem "Showcase" der besten Wiener Off-Produktionen

Wien - Zum 20. Mal startet im off-Theater brut Wien am 4. März das Festival "imagetanz" mit 17 Produktionen aus der jungen lokalen Tanzszene. Ab April gehen im brut dann die Themenpakete der Saison mit "The State of the Nation" in die nächste Runde. "Diese Bündelung in Schwerpunkte wird sehr gut angenommen", berichtete die neue kaufmännische Leiterin des Hauses, Olivia Khalil, bei einer Pressekonferenz am Donnerstag. Von September 2008 bis zum Jänner 2009 zählte man in 129 Vorstellungen 11.000 Besucher bei einer Auslastung von 85 Prozent.

Zwischen ImPulsTanz, Tanzquartier und WUK hält das "imagetanz"-Festival nun seit 1989 die Stellung als "Sprungbrett" für die junge Szene. "Ein Rückblick auf diese Zeit macht wirklich einen Teil österreichischer Tanzgeschichte und Kulturpolitik aus", sagte Kuratorin Bettina Kogler. Durch "Zeiten der Krise" habe das Festival an neuer Konzentration gewonnen, im Jubiläumsjahr gibt es an zehn Abenden Schwerpunkte von "Performance-Polen" - was sich auf die "ungewöhnliche Dichte junger polnischer Performance-Künstler, die in Wien ihre Heimat gefunden haben" bezieht - über die "lange Beziehungsgeschichte von Tanz und Musik" bis zur Präsentation des Debütalbums der außergewöhnlichen österreichischen Pop-Sängerin Anja Plaschg alias Soap&Skin.

"Europa! Europa!"

Dem "State of the Nation" spüren Vorträge, Performances und Gesprächsrunden dann im April nach. In der starken Vernetzung würden immer mehr Künstler "ihre nationale Identität hinterfragen", beschrieb brut-Leiter Thomas Frank die zentrale Fragestellung, "gleichzeitig wird in Zeiten der Finanzkrise wieder der Nationalstatt herbeigerufen". Das Grazer "Theater im Bahnhof" lehnt sich am 15. und 16. April an die Andre Heller-Produktion "Afrika! Afrika!" an und versucht sich mit "Europa! Europa!" ebenfalls an der Inszenierung "eines ganzen Kontinents als ein Spektakel". Gemeinsam mit einem Tänzer der Heller-Show, Gotta Depri, geht das Künstlerduo Gintersdorfer/Klaßen dann am 21. und 22. April dem "Bedürfnis nach Folkloristik" nach. Europa und seine ideellen wie realen Grenzen steht im Zentrum des Computerspiels "Frontiers", das den Spieler in die Rolle von Flüchtlingen an der Schengen-Grenze schlüpfen lässt und am 16. April präsentiert wird.

"Showcase" zu Finale

Bis zum Saisonende stehen mit der neuen Arbeit von Doris Uhlich ("Glanz", Premiere am 2. April), der neuen Nachwuchs-Reihe "Sturm" und dem für Ende Juni geplanten 24 Stunden und 2 Minuten dauernden "Theater des Verhinderns" von Julius Deutschbauer weitere Highlights auf dem Programm. In Kooperation mit den Wiener Festwochen wird die Videoperformance "Saving The World" von Gob Squad (18.-21. Mai) gezeigt, im Sommer ist das brut außerdem - ab heuer regelmäßig - mit zwei Produktionen bei den Bregenzer Festspielen vertreten sein, sowie bei den Schillertagen in Mannheim und dem Spielart Festival in München. Um freies, heimisches Theaterschaffen noch stärker für die internationale Vernetzung bündeln zu können, findet von 17. bis 21. Juni ein "Showcase" mit den besten Wiener Off-Produktionen aus Dschungel, Schauspielhaus und brut statt.

Für den Nachwuchs sorgt das brut auch mit der Planung eines "Werkstatttheaters" in den Räumen des Theater des Augenblicks. "Vor allem für Künstler, die zwar Projektförderung bekommen, aber keine eigenen Strukturen haben, wäre das eine wichtige Einrichtung zur Professionalisierung", so brut-Leiter Haiko Pfost. An das "Labor" solle deshalb auch eine kleine, mobile Produktionseinheit angeschlossen sein. Weil die Mietbedingungen derzeit noch ungeklärt sind, ist das von der Theaterjury grundsätzlich positiv bewertete Vorhaben vorläufig allerdings noch nicht in der Projektförderung. Für das brut selbst wurde die Konzeptförderung allerdings bis 2013 fortgeschrieben. (APA)

  • "Europa! Europa!"
    foto: brut/theater im bahnhof / copyright hauswirth

    "Europa! Europa!"

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