"Heuschrecken-Attacken"

19. Februar 2009, 13:43
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Billiger Zloty: Litauer stürmen die grenznahen Gebiete, um einzukaufen und vollzutanken

Vilnius/Warschau - Tausende Litauer stürmen seit einigen Tagen die grenznahen Gebiete in Polen, um dort einzukaufen und ihre Autos vollzutanken. Grund für den Run auf die polnischen Geschäfte und Tankstellen ist der derzeit sehr niedrige Kurs des Zloty gegenüber dem Litas, der an den Euro gekoppelt ist. Die Preise für Konsumgüter liegen in Polen derzeit etwa ein Drittel unter jenen in Litauen. Ein Liter Benzin ist derzeit aus litauischer Sicht 40 Centai (0,12 Euro) billiger, berichten litauische und polnische Medien.

Die Supermärkte im polnischen Suwalki und anderen Orten im Grenzgebiet zu Litauen seien derzeit praktisch im Belagerungszustand, schrieb die litauische Tageszeitung "Kauno Diena" am Donnerstag. Am vergangenen langen Wochenende hätten sich auf der rund 30 Kilometer langen Strecke von der Grenze nach Suwalki lange Autoschlangen gebildet. Die Supermärkte in der Region seien regelrechten "Heuschrecken-Attacken" von litauischen Kunden ausgesetzt gewesen, so dass viele Regale am Montagabend schlicht leergekauft gewesen seien. Sogar Bewohner der Hauptstadt Vilnius hätten die 130 Kilometer lange Anfahrt in Kauf genommen, um sich mit billigen Lebensmitteln einzudecken, berichtete die Zeitung.

Nahrungsmittel in großen Mengen

Laut der polnischen Nachrichtenagentur PAP kauften die Litauer vor allem Grundnahrungsmittel wie Butter, Eier, Zucker und Brot in großen Mengen. Litauen steht wie Polen zurzeit selbst im Schatten der Wirtschaftskrise. Die Regierung in Vilnius hat ein umfangreiches Sparprogramm eingeleitet, lehnt aber eine Abwertung des Litas ebenso wie internationale Kredite bisher vehement ab. Viele Litauer leiden deshalb unter den hohen Preisen für Lebensmittel und andere Konsumgüter.

Die Polen waren wenig begeistert von dem Ansturm: "Wir Polen müssen hier in langen Schlangen stehen - wie zu kommunistischen Zeiten", zitierte PAP eine Kundin. Erfreut sind dagegen die Produzenten und Händler der Region. "Unser Firmenumsatz ist in den vergangenen Wochen um 50 Prozent gestiegen", sagte Piotr Czernialis, Besitzer eines Geschäfts für Baumaterialien. Die Litauer kauften bei ihm "einfach alles, vom Pinsel bis zum Ziegel". Auch die Transportunternehmen wollen von der schwachen polnischen Währung profitieren. Die Straßen an der Grenze sind mit Lastwagen aus Litauen verstopft, die in Polen billig betankt werden sollen.(APA)

 

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