Verleger schwören in Zeiten der Finanzkrise auf Qualität

19. Februar 2009, 13:05
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Marktmodelle ändern sich - Strukturen müssen schlanker werden - Print soll sich mit Qualität gegen Internet behaupten

Angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage haben Verleger am Donnerstag den Qualitätsjournalismus beschworen. "Wenn es uns im geschrumpften Markt nicht gelingt, weiterhin Qualitätsjournalismus zu ermöglichen, haben wir kein Anrecht auf unsere Lizenz", findet STANDARD-Gründer Oscar Bronner. Entscheidend für die Zukunft des Journalismus seien "Glaubwürdigkeit und Qualität", sagte "Zeit"-Herausgeber Josef Joffe. Nur dadurch könne sich Print in der aktuellen Finanzkrise und gegen den neuen Konkurrenten - das Internet - dauerhaft durchsetzen.

"Zeitungen werden lernen müssen mit weniger Geld auszukommen", konstatierte Bronner im Rahmen einer von "Reporter ohne Grenzen" organisierten Podiumsdiskussion in Wien. Der Vorarlberger Verleger Eugen A. Russ ("Vorarlberger Nachrichten", "Neue Vorarlberger Tageszeitung") sprach von einer "Wendezeit in der Medienlandschaft". Es gebe zwei übereinanderlagernde Phänomene, mit denen die Zeitungen zu kämpfen haben: Die wachsende Konkurrenz durch das Internet und die "veritable Finanzkrise".

Die Folge sei, dass sich das Geschäftsmodell der Printmedien ändert und die Strukturen in den Verlagen "schlanker werden müssen". Das Internet entziehe dem Printbereich Geschäftsfelder - so werde es Kleinanzeigenzeitungen laut Russ "in zwei Jahren in gedruckter Form nicht mehr geben".

Auch wenn die Strukturen schlanker werden und es laut Bronner möglich ist, "dass einige Zeitungen sterben werden", glauben die Verleger an die Zukunft von Print. Im Gegensatz zum Internet bieten Printmedien "Qualität und das heißt Vertrauen und Reputation", so Joffe. Davon, dass dies auch die Werbetreibenden zu schätzen wissen, ist der "Zeit"-Herausgeber überzeugt.

Auch Franz C. Bauer, Präsident der Journalistengewerkschaft, meint, dass die Zeitungen nie durch das Internet ersetzt werden können, weil "dem Internet das Gewicht fehlt". Zeitung würden außerdem nicht nur Nachrichten und Kommentare verkaufen, sondern ein Weltbild. "Durch die Zeitung, die man sich kauft, will man sich in seiner Anschauung und seinem Weltbild bestätigt fühlen", glaubt Bauer. Das Internet könne dieses Bedürfnis nicht erfüllen. (APA)

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