Diskussion über Muslimas als Polizistinnen

19. Februar 2009, 11:13
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Was für muslimische Soldatinnen bereits selbstverständlich ist, steht nun auch für Exekutivbeamtinnen zur Debatte

Oslo - In Norwegen bewegt seit rund einer Woche eine Debatte über die mögliche Zulassung von Kopftüchern für muslimische Polizistinnen die Öffentlichkeit. Nachdem die Polizei sowie das Justizministerium zur entsprechenden Anfrage einer Muslimin positiv reagiert und eine Neubeurteilung des gegenwärtigen Kopftuchverbots bei der Polizei angekündigt hatten, meldeten sich zahlreiche PolitikerInnen und MeinungsmacherInnen in den Medien zu Wort.

Die rot-grüne Regierung in Oslo will nun verhindern, dass der Kopftuchstreit ein Thema im Wahlkampf wird. Innerhalb der Arbeiterpartei (Sozialdemokraten) von Ministerpräsident Jens Stoltenberg befürchtet man, dass die Diskussion der rechtspopulistischen Fortschrittspartei weiteren Auftrieb geben könnte. Norwegen wählt im Herbst ein neues Parlament.

Viele weiterhin für Dienstmütze

In Norwegen dürfen weibliche Soldaten bereits seit 1992 das traditionelle Kopftuch tragen. In der jetzigen Diskussion stellten sich jedoch etliche Stimmen dagegen, das Tragen von Kopftüchern und anderen kulturell und religiös bedingten Kopfbedeckungen anstelle der Dienstmütze - wie es etwa in Großbritannien erlaubt ist - auch bei der norwegischen Polizei einzuführen.

Unter anderem argumentierte ein führender Vertreter der Saami-Minderheit ("Lappen") in Nordnorwegen, Janos Trosten, eine derartige Maßnahme zu Gunsten von MuslimInnen würde die ohnehin heikle Revitalisierung der heimischen Minderheitskultur untergraben.

Musliminnen schränkt Berührungsverbot ein

Innerhalb der muslimischen Gemeinde in Norwegen herrscht auch keine einhellige Begeisterung über die Diskussion. Dort ist man teilweise überhaupt dagegen, dass Frauen in den Polizeidienst eintreten dürfen. Der Vorsteher des Komitees für Imame im Islamischen Rat Norwegens, Ahmed Esma-ili etwa wies auf das Berührungsverbot im Islam hin. Polizistinnen dürften demnach keine physische Festnahme von Männern durchführen. Es sei denn, es handelt sich um ein Familienmitglied der Beamtin. (APA)

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