Saab ist pleite

20. Februar 2009, 14:45
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Der schwedische Autobauer will weiter produzieren und sich vom taumelnden Mutterkonzern GM lösen, inwieweit Magna-Steyr in Graz betroffen ist, ist noch unklar

Stockholm - Die Krise beim US-Autobauer General Motors hat ein erstes Opfer unter den drei europäischen Töchtern gefordert: Das schwedische Traditionsunternehmen Saab meldete am Freitag Insolvenz an. Eine Unternehmenssprecherin teilte mit, das Unternehmen habe bei Gericht den Antrag zu einer Neuorganisation der Marke als unabhängiges Unternehmen gestellt. Saab kündigte an, die gesamte Entwicklung und Produktion von Fahrzeugen der eigenen Marke nach Schweden zu holen. Das dürfte nicht ohne Folgen für die GM-Tochter Opel bleiben.

So sollte das Modell Saab 9-5 ab Sommer 2009 im Opel-Stammwerk in Rüsselsheim gebaut werden. Auch dürften Aufträge für Design und Entwicklung, die derzeit noch in Rüsselsheim bearbeitet werden, künftig wegfallen.

Die Neuorganisation von Saab mit seinen rund 4.000 Mitarbeitern habe das Ziel, ein "völlig unabhängiges" Unternehmen zu schaffen, das zukunftsfähig sei und offen für Investitionen, erklärte Saab-Chef Jan Ake Jonsson. Man werde alle Optionen auch einen Verkauf ausloten. Die Umorganisation solle innerhalb von drei Monaten umgesetzt werden und erfordere eine "unabhängige Finanzierung", um erfolgreich zu sein. Die Produktion soll weiter gehen.

Schutz vor Gläubigern

Das Insolvenzverfahren schützt Saab in der Zeit der Restrukturierung vor den Forderungen seiner Gläubiger. Der Autobauer will sich um staatliche und private Mittel bemühen. Die schwedische Industrieministerin Maud Olofsson, die zuletzt finanzielle Hilfe für Saab abgelehnt hatte, reagierte allerdings verhalten. Derzeit sei nicht abzusehen, wie die Regierung in den Restrukturierungsprozess eingebunden werde. "Es ist schwierig zu sagen, was unsere Rolle sein wird", sagte Olofsson der schwedischen Nachrichtenagentur TT.

Branchenexperten bezweifelten, dass Saab eine Chance als eigenständiges Unternehmen hat. Saab habe nicht die Größe und die finanzielle Kraft allein zu überleben, sagte Analyst Stephen Pope von Cantor Fitzgerald. "Vielleicht versuchen sie, sich für einen Käufer hübsch zu machen."

Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer hält es allerdings für unwahrscheinlich, dass sich ein Käufer für den Hersteller findet. Dem Fachmagazin Autogazette.de sagte er: "Saab befindet sich in einer Struktur, die ökonomisch keine Möglichkeit zum Überleben lässt. Weder mit einem anderen Konzern noch in der Eigenständigkeit."

Ursprünglich ein Flugzeugbauer, gründete Saab nach dem Zweiten Weltkrieg die Autosparte, im Jahr 2000 übernahm GM sie zu 100 Prozent. Der Flugzeugbau ist ein eigenes Unternehmen.

GM hatte bei der Vorlage seines Sanierungskonzepts Mitte der Woche erklärt, der Konzern brauche rund 6 Mrd. Dollar (4,72 Mrd. Euro) Unterstützung von Kanada, Deutschland, Großbritannien, Schweden und Thailand, um seinen Aktivitäten in Übersee ausreichend Liquidität zur Verfügung stellen zu können. Dabei hatte GM bereits angedeutet, dass Saab noch in diesem Monat Insolvenz anmelden könnte.

Unklarheit bei Magna-Steyr

Inwieweit von der Saab-Insolvenz auch Magna Steyr in Graz betroffen sei, ist derzeit laut Magna-Sprecher Daniel Witzani unklar: "Wir sind von dem Insolven-Antrag informiert worden, ob überhaupt und in welchem Ausmaß wir betroffen sind, wissen wir derzeit nicht" sagt Witzani zu derStandard.at  Der Autozulieferer erzeugt in Graz-Thondorf Saab-Cabrios.

Die Skandinavier gehören mit einer Jahresproduktion von 125.000 Wagen (2007) zu den kleinsten Autoherstellern in Europa. Die Auslastung der Jahreskapazität im schwedischen Stammwerk Trollhättan lag zuletzt bei 50 Prozent. Im vergangenen Jahr setzte Saab noch 94.000 Autos ab. Auf dem wichtigen US-Markt bracht der Absatz um die knapp die Hälfte ein.

Für Saab arbeiteten in Schweden Ende 2007 noch knapp 6.000 Beschäftigte. Aktuell sind es noch rund 4.000, davon 3.700 Mitarbeiter im Stammwerk. Von einem endgültigen Aus für die Autoproduktion bei Saab wären einschließlich Zulieferern bis zu 30.000 Arbeitsplätze betroffen. (APA/red)

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