Mobilfunker wollen "digitale Dividende"

19. Februar 2009, 09:43
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Mit Investitionen in den Ausbau mobiler Breitbandnetze am Land wollen die Mobilfunker zur Bewältigung der Krise beitragen. Dafür fordern sie durch Digital-TV frei werdende Frequenzen.

Es sind "auch für den Mobilfunk turbulente Zeiten", räumt Robert Chvátal, Chef von T-Mobile Austria, ein. Die Telekombranche sei von der Krise "nicht ganz unberührt, aber wir sind nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung". Warum? Weil vor allem in Österreich die Mobilfunker sich seit Jahren einen heftigen Preiswettkampf liefern und darum bereits etwas geschrumpft, aber auch sehr effizient geworden seien, sagt Chvátal. Und weil sie bereit seien, durch millionenschwere Investitionsprogramme zur besseren Bewältigung der Krise beizutragen. Die Betreiber in den größten Märkten, Deutschland, Großbritannien und Frankreich hätten ihre Bereitschaft dazu bereits bekundet.

Stabile Rahmenbedingungen

"Wir brauchen keine Rettungspakete, sondern nur stabile Rahmenbedingungen" - durch gleichbleibende Regulierung, sagt Chvátal in Hinblick auf die Pläne der EU-Kommission zur weiteren Herabsetzung der Roaminggebühren für Gespräche und Datenverkehr.

"Diese Branche kann helfen, aus der Krise herauszuführen, weil wir in eine neue Welle der Technologie investieren können", erklärt Tom Philips vom Branchenverband GSMA. "Menschen an das Netz anschließen, bedeutet, das Bruttonationalprodukt zu steigern." Zehn Prozent höhere Teilnehmerzahlen ließen sich in ein zusätzliches Bruttonationalprodukt von 1,2 Prozent übersetzen.

"Fantastische Gelegenheit" für Mobilfunker

Derzeit könnte über das Festnetz in Europa rund die Hälfte der Bevölkerung mit Breitband-Internet versorgt werden, "und besser wird das nicht, weil es ein Vielfaches kostet, Menschen über Leitungen anstatt über den Mobilfunk zu versorgen. In den Ostmärkten die Leitungsinfrastruktur sogar noch schlechter, was für Mobilfunker eine fantastische Gelegenheit ist", sagt Philips.

Wegen des überproportionalen Wachstumsimpulses seien auch im US-Konjunkturpaket sieben Milliarden Dollar für den Ausbau von Breitband-Internet vorgesehen, weil man laut US-Präsident Barack Obama "für jeden investierten Dollar zehn zurückbekommt". Nachdem China im Jänner den Weg freigegeben hat für die Errichtung eines 3G-Netzes (die mobile Breitbandstruktur), würden in diesem Jahr 160.000 Basisstationen errichtet, was rund 300.000 Arbeitsplätze schaffen soll.

Frequenzen von analogem Fernsehen nutzen

Um jedoch in Europa diese Investitionen tätigen zu können, wollen die Betreiber eine "digitale Dividende", sagt Telekom-Austria-Chef und GSMA-Vorstandsmitglied Boris Nemsic. "Durch Nutzung der Frequenzen, die bisher für analoges Fernsehen eingesetzt wurden, kann mobiles Breitband zu einem Siebentel der Kosten ausgebaut werden", sagt Nemsic. Frei werden die Frequenzen, weil sie vom analogen TV geräumt werden. "Das ist eine für viele Generationen einmalige Gelegenheit", sagt Philips, "die jetzige Frequenznutzung für TV wurde festgelegt, als Kennedy noch nicht Präsident der USA war und die Beatles noch keine Nummer eins in den Charts hatten." Bisher hätten Frankreich, Schweden, Großbritannien und die Schweiz erklärt, dass sie die Frequenzen an den Mobilfunk übertragen wollen. "Eine Harmonisierung in Europa ist enorm wichtig, weil sonst die Kosten für unterschiedlichste Netze und Endgeräte wesentlich höher sind." (Helmut Spudich aus Barcelona/ DER STANDARD Printausgabe, 19. Februar 2009)

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