Spar wächst mit Billigmarken

19. Februar 2009, 17:43
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Handelskonzern kauft international zu und stemmt sich gegen die Konsumflaute

Wien - Der Lebensmittelhandel erweise sich in Zeiten wie diesen als stabil und bodenständig, sagt Spar-Chef Gerhard Drexel. Keiner könne so tun, als gebe es keinen Konjunkturabschwung. Die Investitionen würden stärker abgeklopft und neue Standorte genauer selektiert. Alles in allem stehe seine Branche aber deutlich besser da als andere. "Wir trotzen der Konsumflaute."

Spar hat am Donnerstag seine Bilanz 2008 vorgelegt: Der Umsatz im Lebensmittelhandel stieg in Österreich um 6,4 Prozent auf 4,8 Mrd. Euro und damit deutlich über dem Branchenschnitt von 3,9 Prozent. Flächenbereinigt lag der Zuwachs bei fünf Prozent, und für 3,1 Prozent des Wachstums sorgten die gestiegenen Preise, rechnet Drexel im Gespräch mit dem STANDARD vor.

International zog der Lebensmittelumsatz um knapp18 Prozent an. Den Sportfachhandel und den Betrieb von Einkaufscentern mit eingerechnet, übersprang die Gruppe mit plus zehn Prozent die Umsatzschwelle von zehn Mrd. Euro.

Spar hat im Osten kräftig eingekauft. Die jüngste Akquisition wurde laut Drexel vor wenigen Tagen fixiert: Der italienische Coop-Konzern gibt in Kroatien vier Hypermärkte mit Verkaufsflächen von je 7000 Quadratmetern an die Österreicher ab, die sie zu Interspar-Filialen umbauen. Auf Spar-Supermärkte umgestellt werden auch die im Vorjahr in Ungarn übernommenen 177 Shops des Diskonters Plus.

Details zu den Gewinnen gebe es noch keine, die Ertragslage sei aber generell gut, sagt Drexel. Markant seien die Veränderungen im Kaufverhalten der Österreicher: Statt zu Markenware griffen sie zu billigen Eigenlabels des Handels. Spar verbuchte bei seinen eigenen Marken um 19 Prozent mehr Umsatz. Und der Anteil der Billiglabels im Spar-Großhandelsumsatz schnalzte von 25 auf 29 Prozent nach oben.

Ende der Preishausse

Deutliche Zuwächse von 27 Prozent gab es auch im Bioabsatz. Das Sortiment wurde massiv erweitert, die Preise stiegen in der Biosparte stärker als im konventionellen Lebensmittelhandel. Für das laufende Jahr erwartet Drexel eine erhebliche Beruhigung bei den Preisen.

Was Drexels Kampf gegen den Einstieg des Rivalen Rewe bei Adeg betrifft, so liegt der Fall nach einer Klage von Spar beim Europäischen Gericht. Eine Entscheidung sei frühestens Ende 2009 zu erwarten.

Spar investiert heuer 500 Mio. Euro in die Expansion. Die Hälfte dafür ist für Österreich reserviert, der Schwerpunkt liegt bei der Modernisierung von Standorten. Gut 800 neue Arbeitsplätze entstehen, 40 Prozent sind Teilzeitjobs. (vk, DER STANDARD, Printausgabe, 20.2.2009)

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