RI geht mit Gewinnrekord aus Krisenjahr

19. Februar 2009, 17:46
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Raiffeisen International hat angesichts des schlechten Images der Ost-Ökonomien die Zahlen für 2008 vorzeitig veröffentlicht

Wien - Die Nachrichtenlage über Osteuropa und Anfang der Woche abstürzende Aktienkurse hat die Ostbanken-Holding des Raiffeisensektors, Raiffeisen International, am Donnerstag veranlasst, ihre vorläufigen Ergebniszahlen für 2008 vorzeitig und investorenberuhigend bekanntzugeben.
Trotz Finanzkrise hat das Institut, das in 17 Ländern Osteuropas engagiert ist, seinen Gewinn um 17 Prozent auf 980 Mio. Euro (nach 840 Mio. im Jahr davor) gesteigert. Im November hatte die Bank ihre Gewinnprognose noch auf 950 Millionen Euro reduziert. Grund für dasRekordergebnis, so RI: der Zinsüberschuss, der um mehr als ein Drittel auf 3,2 Mrd. Euro stieg.
Ende September hatte das Konzernergebnis (nach Steuern und Minderheiten) 861,5 Mio. betragen, im vierten Quartal kamen also 120 Millionen dazu. Im letzten Quartal 2007 war der Überschuss noch bei 250 Mio. Euro gelegen.

Investoren honorieren Ergebnis

Die Investoren an der Börse - rund 31 Prozent der Anteile sind im Streubesitz, der Rest gehört der Raiffeisen Zentralbank RZB - haben den Inhalt der Veröffentlichung goutiert: Der Kurs zischte nach Bekanntgabe der Zahlen um 13 Prozent in die Höhe. Zuletzt waren die Aktien von RI (fast 14 Prozent) und Erste Group (minus 18 Prozent) stark unter Druck geraten: Analysten und Ratingagenturen, zuletzt Moody‘s, halten die Geschäfte in der Region für gefährdet.
Entsprechende Medienberichte ("wie besonders der im Wall Street Journal" mit dem Titel "Wo Österreichs Banken getroffen sind" ) relativierte Notenbank-Gouverneur Ewald Nowotny übrigens am Donnerstag per Aussendung. Er betonte, "dass die Ausleihungen österreichischer Banken in der Region zu drei Vierteln EU-Länder betreffen" und das österreichische Engagement ein Fünftel jenes der EU-15 betrage. Die österreichischen systemrelevanten Banken "haben genug Liquidität und Kapital" .

Vorsorge für Kreditausfälle

Konjunkturelle Gewitterwolken über der Region und die Auswirkungen der Finanzkrise haben sich aber in den Vorsorgen von RI kräftig niedergeschlagen. Übers ganze Jahr gerechnet hat RI ihre Kreditvorsorgen auf 780 Mio. Euro fast verdoppelt. Im vierten Quartal (also nach der Pleite von Lehman Brothers) haben die Kredit-Wertberichtigungen 400 Millionen Euro erreicht und sich damit fast vervierfacht. Insgesamt hat RI rund 58 Milliarden Euro an Krediten bei ihren Kunden platziert (plus 18 Prozent), die Einlagen bei 44 Mrd. Euro (plus neun Prozent).

 

Laut Analysten hat sich RI damit "in einem sehr schwierigen Umfeld beachtlich geschlagen" (Alexander Hendricks von der Deutschen Bank). Goodwill-Abschreibungen für Banktöchter hat RI imGegensatz zur Erste Group (570 Mio. Euro Abschreibungen für die Töchter in Rumänien und Ukraine) nicht getätigt. Es bestehe kein Abwertungsbedarf, man habe Beteiligungen nicht wesentlich über dem Buchwert eingekauft, wird argumentiert. An Rückzug denkt RI-Chef Herbert Stepic nicht: "Wir bleiben in Osteuropa" . Mit dem Filialausbau (zeitweise wurde täglich eine Filiale eröffnet) ist aber Schluss. In der Ukraine und Ungarn werden massiv Jobs abgebaut.
Die Kapitalzufuhr in den Sektor durch den Staat soll übrigens spätestens bis Ostern über die Bühne sein. Die RZB will sich 1,75 Milliarden Euro abholen. (gra, APA, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 20.2.2009)

 

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    Konzern-Chef Herbert Stepic: "Wir bleiben in Osteuroopa."

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