Nato stellt Weichen für einen langen Krieg

20. Februar 2009, 09:43
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Mehr Truppen, mehr Engagement in Pakistan: Der Westen weitet den Afghanistankrieg aus

In Krakau schworen die USA die europäischen Nato-Verbündeten beim Treffen der Verteidigungsminister auf den neuen Kurs im Afghanistankrieg ein. Rom und Berlin schicken mehr Soldaten.

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Wien/Krakau/Islamabad - Noch im Flugzeug nach Krakau zum Treffen der Verteidigungsminister der Nato im polnischen Krakau sprach Robert Gates Klartext. "Die US-Regierung ist zu einem zusätzlichen Engagement für Afghanistan bereit" , sagte der amerikanische Verteidigungsminister und fügte hinzu: "Es gibt aber klare Erwartungen, dass die Verbündeten auch mehr tun müssen." So deutlich war das seit dem Präsidentenwechsel in Washington nicht zu hören.

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel hatte schon am Mittwochabend bei einem Treffen mit dem dänischen Regierungschef Anders Fogh Rasmussen, dem möglichen nächsten Nato-Generalsekretär, eine Truppenaufstockung angekündigt. 600 weitere Bundeswehrsoldaten werden bis Sommer nach Afghanistan geschickt.

Am 20. August sind Präsidentschaftswahlen, nur 200 Soldaten des neuen Kontingents seien für die Sicherung der Wahlen vorgesehen, so präzisierte Verteidigungsminister Franz Josef Jung am Donnerstag; die 400 anderen werden zum Teil der schnellen Eingreiftruppe im Norden Afghanistans zugeordnet. Deutschland ist mit dann knapp 4500 Soldaten - wenn auch mit großem Abstand zu den USA und Großbritannien - drittgrößter Truppensteller. Italien will bis April ebenfalls weitere 500 Soldaten entsenden. Den Anstoß für die neuen Zusagen der Europäer gab US-Präsident Barack Obama, der zu Wochenbeginn die Verlegung von gleich 17.000 zusätzlichen Soldaten anordnete.

Enger mit Pakistan

Jaap de Hoop Scheffer, der scheidende Nato-Generalsekretär, bekräftigte zu Beginn des Verteidigungsministertreffens die neue Einsicht von Militärs und Politiker: Afghanistan und Pakistan müssten in einem Zusammenhang gesehen werden. Die Taliban und Al-Kaida-Kämpfer, die die Nato in Afghanistan bekämpfe, versuchten auch Pakistan zu destabilisieren. Scheffer empfahl eine viel engere Zusammenarbeit zwischen Nato und dem pakistanischen Militär. Doch eben dies ist ein äußerst sensibler Punkt für die Regierung in Islamabad.

Denn in den vergangenen Tagen kamen mehr und mehr Details zum Einsatz amerikanischer Drohnen in Pakistans Stammesgebieten an der Grenze zu Afghanistan ans Licht. Pakistans Regierung verlangte immer wieder ein Ende der gezielten Raketenangriffe auf mutmaßliche Taliban- und Al-Kaida-Chefs, die sich in stark gesicherten Häuseranlagen verbergen. Denn beim Einsatz der Drohnen, die die Raketen abfeuern, kommen häufig Zivilisten ums Leben. Im Lauf der letzten Monate, so berichtete das Wall Street Journal unter Berufung auf pakistanische Armeeangehörige änderte die Regierung aber ihre Einstellung. Pakistans Armee soll mittlerweile geheimdienstliche Erkenntnisse aus den Stammesgebieten an die US-Armee weitergeben und damit erfolgreiche Raketenangriffe möglich machen. Pakistans Tageszeitung News wurde noch deutlicher: Mindestens seit 2006 nutzt die US-Armee die pakistanische Luftwaffenbasis Shamsi in Balutschistan, im Südwesten des Landes, um von dort Drohnen zu starten. Google Earth bewies es.

Während die USA kritisch die Nachricht von einem Waffenstillstandspakt mit Taliban-nahen Milizen in Pakistans Swat-Tal aufnahmen, mussten sie an anderer Stelle eine Niederlage einstecken: Das kirgisische Parlament ordnete am Donnerstag die Schließung der US-Basis Manas an, die dem Nachschub der Truppen in Afghanistan dient. Washington zahlte zuletzt 150 Millionen Dollar jährlich für die Basis. Die Russen boten mehr. (Markus Bernath/DER STANDARD, Printausgabe, 20.2.2009)

 

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    US-Verteidigungsminister Robert Gates fordert Europa auf, mehr Engagement beim Wiederaufbau Afghanistans zu zeigen.

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    Jaap de Hoop Scheffer, der scheidende Nato-Generalsekretär.

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