Wagners Rücktritt noch nicht erfolgt

18. Februar 2009, 21:12
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Neues Mitglied in der Bischofskonferenz - Weihbischof Laun unterstützt Wagner

Linz/Bregenz/Wien/Salzburg - Dass der Vatikan sich noch immer nicht offiziell zur Bitte des designierten Linzer Weihbischofs Gerhard Maria Wagner um Rücknahme seiner Bestellung geäußert hat, lässt Zweifel aufkommen, ob Wagner tatsächlich auf das Amt verzichten will. Demnach habe dieser den Rücktritt bis Mittwoch noch nicht schriftlich in Rom eingereicht.

Das Kommunikationsbüro der Diözese Linz stellte dazu fest, es könne bestätigen, dass der Rücktritt mündlich in Telefonaten mit Diözesanbischof Ludwig Schwarz und Wagner, mit der Nuntiatur und bis zum zuständigen Kardinal in Rom abgesprochen sei. Das habe auch Kardinal Christoph Schönborn nach der Sondersitzung der Bischöfe am Montag so gesehen. Bis Wagner ein Dekret aus Rom in der Hand habe, mit dem der Rücktritt formal abgeschlossen ist, werde noch einige Zeit vergehen.

Die konservative Internet-Plattform kath.net hat am Mittwoch unter Berufung auf eine „zuverlässige Quelle" berichtet, der Linzer Diözesanbischof Schwarz habe Gerhard Maria Wagner an diesem Tag in einem Telefongespräch ersucht, das Rücktrittsgesuch zu unterschreiben. Dies sei offensichtlich bis dahin nicht erfolgt. Im Kommunikationsbüro in Linz konnte man das Telefonat weder bestätigen noch dementieren. Wagner sei derzeit telefonisch schwer erreichbar.

Junger Abt unter Bischöfen

Die Bischofskonferenz hat mittlerweile ein neues Mitglied. Es ist 38 Jahre jung, stammt aus einer protestantischen südafrikanischen Familie, ist erst seit kurzem Österreicher, hat Politik studiert, spricht sechs Sprachen: Anselm van der Linde, neuer Abt der Zisterzienserabtei Wettingen-Mehrerau in Bregenz, könnte das Gremium beleben.

Die Wahl des jungen Abtes wurde am Mittwoch von Papst Benedikt bestätigt. Anselm van der Linde löst nun Kassian Lauterer, der die Kongregation mit weltweit 13 Frauen- und sieben Männerklöstern 40 Jahre lang leitete, ab.
Zu kirchenpolitischen Fragen will sich das jüngste Mitglied der Bischofskonferenz noch nicht äußern: „Ich sehe es als meine erste Aufgabe, das Kloster zu leiten."

Einen Sitz in der Bischofskonferenz hat der Abt, weil Wettingen-Mehrerau eine Territorialabtei ist, die dem Papst direkt untersteht.

Während man dem Abt keine Kritik an der Bischofskonferenz entlocken kann, kommt sie von Ewald Stadler ungefragt. Der Vize-Klubchef des BZÖ fordert die Abschaffung der Kirchensteuer mit Klags- und Exekutionsmöglichkeit. Statt Steuerpflicht will Stadler freiwillige Leistungen der Gläubigen. Stadler selbst zahle seit fünf Jahren keinen Kirchenbeitrag mehr, spende aber für Projekte.

Unterstützung für Wagner kommt auch vom Salzburger Weihbischof Andreas Laun. In einem Artikel für die kath.net kritisiert er die Tonlage der Kritiker, deren „Weg mit ihm!" für Laun „unheimliche Assoziationen zum ,Kreuzige ihn‘" geweckt habe. Wagners Aussagen über Homosexuelle wiederum verteidigte er: Auch wenn er, Laun, das Wort „Heilung" vermeide, sei Homosexualität doch „veränderbar". (APA, jub, DER STANDARD, Printausgabe, 19.2.2009)

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