"Die Ausbildung gehört verbessert"

18. Februar 2009, 20:08
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Nachmittagsbetreuung an den "Offenen Schulen" bleibt Streitthema

Wien - Erfahrungen mit dem Modell "Offene Schule" hat Manfred Wurm (SP) in seinem Bezirk zwar noch keine, dennoch beschäftigt den Bezirksvorsteher von Wien-Liesing dieses Thema derzeit sehr. Im 23. Bezirk soll es im kommenden Schuljahr an zwei Volksschulen (Bendagasse II und Erlaaer Spitz) keine Horte mehr geben. Stattdessen wird der Verein Wiener Kinder- und Jugendbetreuung die Nachmittagsbetreuung übernehmen. Betroffene Eltern fürchten nun um die Qualität der Betreuung ihrer Kinder - der Standard berichtete. Der Verein ist eine 100-Prozent-Tochter der Stadt und wird von Brigitte Kopietz, der Ehefrau des Wiener Landtagspräsidenten Harry Kopietz, geleitet.

"Der Bedarf an Betreuungsplätzen für den Nachmittag ist in den vergangenen Jahren enorm gestiegen", schildert Wurm, das sei mit klassischen Horten, in denen eine Hortpädagogin die Kinder sowohl bei den Hausaufgaben als auch bei der Freizeitgestaltung betreut, nicht mehr abzudecken. Wurm: "Man kann die Horte nicht beliebig erweitern." Noch dazu mache es ökonomisch keinen Sinn, zwei Gebäude zu haben, von denen eines nur am Vormittag und das andere nur am Nachmittag genutzt würde.

Bei der "Offenen Schule" werden die Kinder nach dem Unterricht im selben Gebäude weiter betreut. Die Lern- und Förderstunden werden von Lehrerinnen abgehalten, die Freizeit danach gestalten Betreuerinnen des Vereins.

Diese, so der Vorwurf der besorgten Eltern, seien nur angelernt und hätten gerade einmal einen viermonatigen Kurs absolviert. Auch Wurm räumt ein, dass "die Ausbildung der Betreuerinnen verbessert gehört".

Susanne Jerusalem, Bildungssprecherin der Wiener Grünen, spricht von einer "Schmalspurausbildung", die wenig zufriedenstellend sei. Man werde allerdings noch einige Zeit mit den "Offenen Schulen" leben müssen. "Doch warum", fragt Jerusalem, "werden dort nicht weiterhin Hortpädagoginnen eingesetzt?"

Bei der Wiener Kinder - und Jugendbetreuung sei die Bezahlung jedenfalls deutlich schlechter und es gebe eine starke Fluktuation. Jerusalem: "Außerdem bekommen die Angestellten nur 30-Stunden-Verträge." Was dazu führe, "dass an einigen Schulen keine Nachmittagausflüge mehr unternommen werden können". Der Idealfall wären laut Jerusalem Ganztagsschulen, an denen die Lehrer gemeinsam mit Hortpädagoginnen die Kinder betreuen.

In Wien gibt es laut dem Büro der zuständigen Stadträtin Grete Laska (SP) derzeit 25 Ganztagsschulen und 27 "Offene Schulen". (Bettina Fernsebner-Kokert/DER STANDARD, Printausgabe, 19.2.2009)

  • Wer die Kinder bei den Hausübungen betreut, hängt vom Schulmodell ab
    der standard/ heribert corn

    Wer die Kinder bei den Hausübungen betreut, hängt vom Schulmodell ab

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