Multiple Schlussleuchte

18. Februar 2009, 19:23
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Nun interveniert Kärnten im Bundesliga-Abstiegskampf

Altach/Mattersburg - Wäre die österreichische Bundesliga eine normale Liga, wäre die Frage, wer im Frühjahr ums Überleben rennen wird, leicht zu beantworten: Altach und Mattersburg mit je 13 Punkten. Mit sehr viel Pech wäre vielleicht noch Kapfenberg zu verwickeln, fünf Punkte sind ja nur fünf Punkte. Aber so.

Aber so hat die wunderliche Kärntner Landespolitik auch die sportlich etablierte Austria ins Spiel gebracht. Eine Million Euro fordert der Verein von der öffentlichen Hand an "Infrastrukturkosten", 1,1 Millionen muss er, so das Urteil der Bundesliga (1. Instanz), an den insolventen FC Kärnten zahlen. Trainer Frenkie Schinkels sagt "offen, dass wir Lizenzprobleme haben".

Die Lizenz, mit der sich die Kärntner Austria in die oberste Liga gedrängt (und den maroden FC Kärnten verdrängt) hat, stammt bekanntlich aus Pasching. Dessen umtriebiger Präsident, Franz Grad, orientiert sich gerüchteweise nun nach Westen. Zwar dementiert Altach vehement ein finanzielles Engagement Grads, auffällig war die Transferaktivität des Tabellenletzten gleichwohl. Gleich sieben neue Spieler kamen. Ex-Pasching- (und Rapid- und Austria-)Coach Georg Zellhofer soll daraus eine Mannschaft formen, die schon zum Heimauftakt gegen den LASK am Samstag ihre Schlagkräftigkeit unter Beweis zu stellen hat. Aus verständlichen Gründen wiegelt Georg Zellhofer diesbezüglich ab. "Wir haben noch keine eingespielte Mannschaft, das ist sicher ein Nachteil für uns."

Keine eingespielte Mannschaft hatte auch Mattersburg im Herbstdurchgang. Über den Winter, schwört Trainer Franz Lederer, sei das anders geworden. Körperlich und mental sei man wieder "mattersburgerisch". Die Vorbereitung sei so verlaufen, wie sich das ein Trainer nur wünschen könne, "und jetzt brennen wir alle" auf den Meisterschaftbeginn am Freitag gegen Ried.

Drei Neue haben die Burgenländer verpflichtet. Die größten Hoffnungen ruhen auf dem "flexiblen" defensiven Midfielder Stanislav Velický, der von Artmedia Bratislava gekommen ist.

Sowohl an Zellhofer als auch an Lederer ist die Causa Kärnten natürlich nicht vorbeigegangen. Freilich wollen beide den "Fall des Falles" trotz hohen Realitätsgehalts nicht mitkalkulieren. Zu unsportlich wäre das.

Bei Franz Lederer käme da noch ein gewisser Peinlichkeitsfaktor dazu. Wäre nämlich Mattersburg der sportliche Absteiger, der von der Lizenzverweigerung an Kärnten profitiert, käme auch sein Präsident Martin Pucher, der Bundesligachef, ziemlich ins Nachgerede. Den diesbezüglichen Zungenschlag des BZÖ möchte man sich gar nicht vorstellen.

Also sagt Franz Lederer, was man in so einem Fall korrekterweise sagt: "Wir steigen nicht ab. Wir haben Qualität." Nach-Halbsatz: "Die wir im Herbst nur nicht abgerufen haben." (Wolfgang Weisgram, DER STANDARD, Printausgabe, Donnerstag, 19. Februar 2009)

 

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