Segen der Technik

18. Februar 2009, 19:10
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Vom Navi verführt, vom Handy verhöhnt, aber gerettet

Gemach, gemach, heißt es dieser Tage in Liberec und Umgebung. Und wird es noch länger heißen, ist doch bis zumindest Sonntag ausdauernder Schneefall versprochen. Also wird langsam gereist, mit dem Auto, dem Bus oder mit der Bim, die vom Stadtzentrum hinauf ins Skizentrum Jestìd fährt.

Der den Berg krönende Fernsehturm aus Stahl und Glas hat sich noch nicht blicken lassen. Mit verlässlichem Navigationsgerät ist er freilich ebenso leicht zu finden wie das Quartier der Österreicher im benachbarten Jablonec. Ohne allerdings nicht, so degeneriert ist der motorisierte Mensch schon.

Verführt, ja genarrt hat das Navi Jakub Janda, den tschechischen Skispringer, auf dessen Anreise nach Liberec. Im ostböhmischen Böhmisch Trübau verhieß sie dem einstigen Vierschanzentourneesieger elegantes Umfahren einer Unfallstelle. Also fuhr Janda, auf seinen Allrad vertrauend, in die Tiefen der Wälder, um wenig später überrascht, aber unverletzt aus seinem auf dem Dach ruhenden Auto zu klettern.

"Die Nächste rechts", forderte das Navi, aber Janda ließ sich nicht mehr verführen, wandte sich nach links und griff zum Handy. Das schwieg voll Hohn. Also marschierte der Athlet und erreichte nach kaum drei Kilometer einen rettenden Hof. Das Auto barg ein Traktor, Janda brachte ein Taxi nach Liberec. Mit menschlichem Navi gar kein Problem. (DER STANDARD, Printausgabe, Donnerstag, 19. Februar 2009, lü)

 

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