Philharmonisches Tournee-Training

18. Februar 2009, 19:04
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Zubin Mehta und Lang Lang mit Wagner, Chopin und Strauss

Wien - Die jüngsten Konzerte der Wiener Philharmoniker könnte man als konzertante Manöver für den Tournee-Einsatz bezeichnen, der schon am Donnerstag in der Londoner Royal Festival Hall seinen Anfang nimmt und mit Paris, Philadelphia, New York, Los Angeles, Peking, Mumbai und Abu Dhabi als Stationen mit Zubin Mehta als siegesgewohnten Kommandeur bis Mitte März dauert.

Vergangenen Dienstag haben die Philharmoniker im Großen Musikvereinssaal mit der Ouvertüre zu Richard Wagners Rienzi, dem ersten Klavierkonzert von Frédéric Chopin (f-Moll, op. 21) und mit dem Heldenleben von Richard Strauss drei Geschütze in Stellung gebracht, mit denen sie, wo auch immer sie konzertieren, die Gunst des Publikums im Sturm erobern können. Vor allem mit Lang Lang als Solisten des Chopinkonzertes haben sie einen pianistischen Gehilfen zur Hand, der, weil ihm die Herzen der Zuhörer eben zufliegen, den hundertprozentigen Erfolg garantiert.

Lang Lang hat alles, was man zum Erfolg braucht. Er ist jung, und allein schon der leicht verschreckte Gesichtsausdruck, mit dem er zum Klavier eilt, und seine freundliche Bescheidenheit, mit der er den Applaus quittiert, machen ihn so sympathisch, dass man den interpretatorischen Alltag, der sein Spiel dann letztlich doch kennzeichnet, nur allzu leicht überhört. Man hört ihn eben mit den Augen. Und liebende Augen machen für unruhige Läufe und verklumpte Tonfolgen wohltuend taub.

Auch die melodische Eindringlichkeit hielt sich in Grenzen. Vor allem der zweite Satz ist eine einzige Liebeserklärung des damals 19-jährigen Komponisten an eine von ihm heiß verehrte Opernsängerin. Davon hat der "hottest artist on the classical music planet", als der Lang Lang in der New York Times bezeichnet wurde, allerdings wenig herübergebracht.

Eine Präzisionsmaschine

Da wurde man zwar ohne ihn bei Wagner und Richard Strauss schon fündiger. Was sind diese Philharmoniker doch für eine Präzisionsmaschine! Die dynamischen Schattierungen der Bläser und dann auch der Streicher sind in der Rienzi-Ouvertüre beinah in physikalischen Skalen messbar. Und Zubin Mehta weiß diese disziplinierte Präzision mit wachem Sinn für den Effekt bestens einzusetzen.

Erst recht bei Richard Strauss. Auch wenn sich kein Held denken lässt, Barack Obama am allerwenigsten, der sich in das Klang-Klischee dieses Heldenlebens fügen würde, so hat Mehta doch die möglicherweise autobiografische Fata Morgana, die Strauss da mit großmeisterlichem Pathos verfasste, mit allen Prachten realisiert. (Peter Vujica/ DER STANDARD, Printausgabe, 19.2.2009)

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