E-Wirtschaft möchte 15 Milliarden flüssigmachen

18. Februar 2009, 18:51
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Bis 2020 könnten Stromerzeuger durch Investitionen in Wasser, Wind und Biomasse Importüberhang egalisieren

Wien - Österreichs Stromwirtschaft, selbst Teil des öffentlich-rechtlichen Komplexes, macht Druck auf die Politik: "Bitte verlassen sie die Sitze erste Reihe fußfrei. Haben sie Mut, Entscheidungen durchzuziehen", sagte der neu bestellte Chef des Verbands der Elektrizitätsunternehmen Österreichs (VEÖ), Verbund-Vorstandsvorsitzender Wolfgang Anzengruber, am Mittwoch an die Adresse von Bundes- wie Landespolitiker gerichtet.

Österreichs E-Wirtschaft sei bereit und auch in der Lage, 15 Milliarden Euro aufzustellen und damit den notwendigen Ausbau der Erzeugungskapazitäten zu finanzieren. "Das ist ein Angebot von unserer Seite, größer als alle Konjunkturpakete in Österreich zusammengenommen", sagte Anzengruber. Zusatz: "Man muss uns nur lassen."

Aufbauend auf dem im vergangenen Mai präsentierten Masterplan Wasserkraft hat der VEÖ ein "Energiepaket in Rot-Weiß-Rot" geschnürt, in dem auch das Ausbaupotenzial im Bereich Wind, Biomasse, Photovoltaik und Geothermie (siehe Grafik) berücksichtigt wurde. Den Plänen nach könnte die Stromerzeugung aus regenerativen Quellen von rund 41,4 Mrd. Kilowattstunden (kWh) auf 55,7 Mrd. kWh erhöht werden. Vom Ausbaupotenzial entfallen rund die Hälfte auf die Wasserkraft, 30 Prozent auf Windenergie und rund 20 Prozent auf die Biomasse.

Auch Photovoltaik und Geothermie werden in dem Szenario eine Rolle spielen, wenn auch nur eine kleine. Wenn diese Potenziale alle genutzt würden, könnte die Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen bis 2020 um 34 Prozent gesteigert werden. Bezogen auf die gesamte Stromerzeugung, also inklusive der thermischen Anlage, bedeute das ein Plus von 22 Prozent.

Stromverbrauch stagniert

Unterstellt wird ein jährlicher Zuwachs des Stromverbrauchs bis 2020 um 1,7 bis 2,2 Prozent. Heuer freilich ist alles anders: Aufgrund des weltweiten Wirtschaftseinbruchs erwartet die Branche bestenfalls eine Stagnation. "Es ist Februar und noch zu früh für eine Hochrechnung auf das Gesamtjahr", sagte Anzengruber. Gerade in Zeiten der Rezession würden auch anderswo in Europa Projekte zurückgestellt, sodass sich an der langfristigen Lücke zwischen Angebot und Nachfrage auch bei einem temporären Verbrauchsrückgang nichts ändere.

Derzeit wird in österreichischen Kraftwerke um rund zehn Prozent weniger Strom erzeugt als im Land verbraucht wird; der Rest muss importiert werden. Das Energiepaket reiche, sofern es umgesetzt werde, aus, den Importbedarf bis 2020 zu egalisieren, sagte Anzengruber. Allein der Verbund könne kurzfristig eine Mrd. Euro investieren. (stro, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.02.2009)

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