Das Geld sitzt am Tanzparkett locker

18. Februar 2009, 19:10
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Bälle bleiben trotz Konjunkturkrise ein sicheres Geschäft - der Fiskus profitiert

Wien - Jörg Doll geht das ganze Gerede über den Tanz in der Krise auf die Nerven. Keiner feiere ja auf Bällen übertrieben. Die Zeiten der riesigen Auto, opulenten Hummerdiners und üppigen Orchideendekorationen seien ohnehin längst vorbei, ist der Kunstgärtner überzeugt. Schlichte Eleganz sei gefragt, auch am Opernball. Daher schmücke er ihn mit Flieder, Veilchen, Tulpen, Kirschblüten. Die Rosen stammten alle aus fairem Handel, sagt er, und die Tulpen seien selbst gezogen.

Der Salzburger ist Florist in dritter Generation. Mit 80 Mitarbeitern dekoriert er jährlich 150 Veranstaltungen und zum nunmehr zehnten Mal den Opernball. Seine Blumen saufen sich seit Samstag mit Nährflüssigkeit an. Dass alle pünktlich zum Balltag in Blüte stehen, sei bisher gottlob noch immer geglückt.

Keine Rede von der Krise

Von Krise sei keine Rede, die Geschäfte laufen so gut wie eh und je, weiß auch Frackverleiher Lambert Hofer zu berichten. Ein paar seiner Stammkunden seien heuer ausgeblieben, da große Firmen mit Einladungen sparten. Aber das gleiche sich aus, denn wem neue Fracks zu teuer seien oder wen Figurprobleme plagten, der borge sich einen.

Die Ballsaison trägt all ihre Mitstreiter sicher durch die Konjunkturflaute. Große Events sind restlos ausverkauft. Wiens Wirtschaft erwartet konstante Umsätzen von 65 Mio. Euro. 13,5 Mio. werden allein für Karten ausgegeben, noch einmal so viel für Tischreservierungen, Speis und Trank. Für die eigene Garderobe werden die 300.000 Gäste rund 22 Mio. Euro springen lassen. Friseure schneiden sich 7,5 Mio. Euro vom Festbudget ab.

Fiskus verdient kräftig mit

Bälle koppeln sich von der Konjunkturentwicklung ab, so sei das immer schon gewesen, ist aus der Wirtschaftskammer zu hören. Der Fiskus verdient kräftig mit: Die 450 Wiener Bälle spülen bis zu 1,3 Mio. Euro an Vergnügungssteuer in die Staatskassen. Der Opernball steuert 280.000 Euro bei, dazu kommen gut 340.000 Euro an Umsatzsteuer.

"Wir haben auch heuer kein Problem damit, unsere Prognosen zu erfüllen", sagt Thomas Platzer, Geschäftsführer der Staatsoper. Die Einnahmen sollen bei 3,4 Mio., die die Ausgaben bei 2,3 Mio. Euro liegen. Das ergibt folglich einen Gewinn von 1,1 Mio. Euro. Fiele die Oper um diesen Betrag um, müsste das Loch im Budget durch höhere Subventionen gestopft werden.

Maximilian Platzer, Cafetier und seit 14 Jahren Organisator des Wiener Kaffeesiederballs, hat die Kartenpreise heuer um zehn auf 105 Euro erhöht. Sie stärker anzuheben, das hätte er nicht gewagt, aber die Rechnung müsse halt stimmen, sagt er. "Wir verdienen deswegen ja nicht mehr." Ein Ball sei wegen der immensen Kosten kein großes Geschäft. "Man kann von Glück reden, bleibt ein bisserl was über." (Verena Kainrath/DER STANDARD, Printausgabe, 19.2.2009)

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