Schatten der Krise über dem Opernball

19. Februar 2009, 13:56
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Die Entlassung von Elmayer und zahlreiche Absagen wegen der Finanzkrise erweitern die Kampfzone - Häufigste offizielle Ausrede: "Grippale Probleme"

Wien - Sandra Schinner freut sich. Schließlich verrät schon ihr "Facebook"-Profil, was sie liebt: Tanzen. Den Opernball zu eröffnen ist daher "etwas ganz Besonderes", erklärt die 21-jährige Studentin. Noch dazu in der zweiten Reihe, gleich hinter den Promi-Kindern. Erst recht, "wenn man vom Land kommt. Aus Retz. Dort sind alle stolz auf mich."

Der Opernball hat viele Realitäten. Und im Hickhack um Promis, Absagen und beleidigte (männliche) Diven bleibt Schinners Ball-Realität leicht auf der Strecke.

Kein Wunder. Denn zum alle Jahre gleichen Trubel um Richard Lugners Gast ("Sie hat so viele Sonderwünsche") und den stets ähnlichen Poltereien wider den Ball an sich von Opernballdirektor Ioan Holender, kommen heuer einige zusätzliche Möglichkeiten, rund um den Staatsball einen "wilden Krieg" (Heute) zu erkennen

Elmayer und die Schmach

Zum einen wäre da Thomas Schäfer-Elmayer. Der Benimm-Papst kann die Schmach, von einem Bundesländer-Tanzlehrer ersetzt worden zu sein, nicht verwinden. Dennoch ist er "edel" genug, sich gegen jegliche Störaktion bei der Eröffnung auszusprechen. Und zwar so laut, dass kein Medium daran vorbeikommt, über diese Sabotage-Gerüchte auch zu berichten. Prompt hörte auch Richard Lugner von "Trillerpfeiferln". Spätestens jetzt ist die Saat gestreut.

Ausverkauft

Das funktioniert auch, weil der Ball dem Gratis-Blatt Heute und Österreich als Waffe im Kampf um die Lufthoheit in Wiens Öffis dient. "Krieg", "Sabotage" und das Einprügeln auf den - angeblich - unbekannten Lugner-Gast Nicollette Sheridan ("Desperate Housewives") gehören hierher: Es gilt, drastischer als der Konkurrent zu zeigen, wie karg besetzt der Ball ist. Dass er seit langem ausverkauft ist, ist dabei irrelevant.

Absagen als Krisen-PR
Hilfreich in diesem Totschreib-Wettkampf ist auch die Krise: Schon Kitzbühel zeigte heuer, dass der Geldadel nicht mehr gern sichtbar champagnisiert. Protzen, lässt auch Schäfer-Elmayer verlauten, kommt in Krisenzeiten nicht gut.

Dass Ball-Stammgäste wie Christian Konrad (Raiffeisen), Medienmanager Hans Mahr, Millionärsgattin Renate Hirsch oder DJ Ötzi heuer auslassen, passt gut ins "Der Ball floppt"-Konzept. So wie das Fehlen der Minister Norbert Darabos und Claudia Bandion-Ortner. Freilich: Bundespräsident, Kanzler und Vizekanzler sind da. WKÖ-Präsident Christoph Leitl und die OMV-, Casino-Austria- oder Siemens-Führungsetagen ebenso.

"Grippale Probleme"

Aber der Trend heißt "absagen": Offiziell werden wohl "grippale Probleme" Wiens Bürgermeister Michael Häupl von der unpopulären Ballpflicht befreien (Landtagspräsident Harry Kopietz soll ihn vertreten). Und auch andere kriegen die Übung gut hin - ohne ihre Gäste zu vergraulen: Die Bank Austria hat zwei Logen - aber der Chef (Erich Hampel) bleibt daheim. Ähnlich halten es Uniqa und Raiffeisen: Da Society-PR über Gesichter und nicht über Firmenlogos funktioniert, geht das Konzept auf. Und Ballmutter Desirée Treichl- Stürgkh wiederholt mantraartig: "Nein, der Ball floppt nicht."

Krisenmanagement setzte erst spät ein

Bloß: Stürgkh steht auf verlorenem Posten. Die Klatschpresse hat sich auf das Gäste-Fiasko eingeschrieben. Das Krisenmanagement setzte erst spät ein: Hieß es erst, dass Stürgkhs Ehemann, der Chef der in Turbulenzen geratenen Erste Bank Group, Andreas Treichl, im Ausland weile - erklärte die Ballmutter am Mittwoch: Ihr Mann werde um 21 Uhr in Schwechat landen und "spät, sehr spät" in die Oper nachkommen.

Schlechte Pressebetreuung

Doch nicht nur ihre schlechte Pressebetreuung lässt Stürgkh hilflos wirken: Auch Ioan Hollender ließ sie im Regen stehen. Weil ORF-Chef Alexander Wrabetz den Plan, die muffige TV-Übertragung zu entstauben, kippte, "schwänzte" Holender die Opernball-Pressekonferenz: Ein Fest für alle, die den Ball abstürzen sehen (wollen).

Aber Sandra Schinner freut sich. Sie eröffnet den Ball. Alles andere ist ihr deshalb derzeit nicht wirklich wichtig. (Thomas Rottenberg, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.02.2009)

 

  • Sängerin Tamar Iveri Mittwochabend bei der Generalprobe. Sie wird den Opernball gemeinsam mit Ramon Vargas eröffnen.
    foto: standard/hendrich

    Sängerin Tamar Iveri Mittwochabend bei der Generalprobe. Sie wird den Opernball gemeinsam mit Ramon Vargas eröffnen.

  • Die Kurse fallen - und die Stimmung mit ihnen: Der Opernball ist zumindest medial ein echtes Opfer der Krise
    der standard

    Die Kurse fallen - und die Stimmung mit ihnen: Der Opernball ist zumindest medial ein echtes Opfer der Krise

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