Weiter Dauerfrost im "Hochwinter" Februar

18. Februar 2009, 18:21
30 Postings

Der Winter hält an: Für das Wochenende wird bis zu 70 Zentimeter Neuschnee vorhergesagt, es herrscht weiterhin große Lawinengefahr

Wien - Minus 25 Grad im 1100-Meter hoch gelegenen Seefeld in Tirol. Höchste Lawinenwarnstufe fünf auf dem Loser. Sturmböen von bis zu 100 Stundenkilometern in den Bergen der Steiermark. Mit 45 Zentimetern Neuschnee fiel in Bregenz so viel Schnee wie seit zehn Jahren nicht mehr. Trotz derart rekordverdächtig wirkender Wetterdaten findet Meteorologe Peter Sabo von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) auf der Hohen Warte an diesen "absolut nichts Außergewöhnliches": "Der Februar ist der zweite Hochwintermonat."

Und dieser Hochwinter werde Österreich auch in den nächsten fünf bis sieben Tagen noch erhalten bleiben. Denn, so prognostiziert Sabo, eine milde Wetterströmung vom Atlantik sei nicht in Sicht, vielmehr beschere "eine breite polare Nord-West-Strömung weiterhin frostige Temperaturen und am Wochenende auch wieder Schneefall bis in die Täler".

Aufgrund dieser Witterungsverhältnisse bleibe laut Wetterexperten die Lawinengefahr weiterhin groß. In den Nordalpen und Niederen Tauern gilt nach wie vor die Warnstufe vier. Das Bundesheer hat sich bereits auf Schnee- und Lawineneinsätze vorbereitet. Am Mittwoch wurde es schon zur Wildtierfütterung in Kärnten angefordert. Im Bezirk Hermagor mussten die Tiere vom Hubschrauber aus mit Futter versorgt werden.

Die Massen an Neuschnee hatten vorübergehend auch zu zahlreichen Straßensperren geführt, am Loser im Ausseerland wurden wegen der akuten Lawinengefahr Sprengungen vorgenommen. Bis Mittwochnachmittag waren aber weitgehend alle Straßensperren in Österreich aufgehoben. In Vorarlberg konnte die Verbindung nach Zürs, Lech und Stuben wieder freigegeben werden. Auch die Arlbergbahn-Strecke ist laut ÖBB wieder vom Schnee befreit.

Spediteure wettern

Schneegestöber und mehrere Unfälle bei Wangen im Allgäu hatten am Dienstag noch zum Stillstand auf der deutschen A96 geführt. Der Pfändertunnel, zweitwichtigster Grenzübergang zu Deutschland, musste wegen des Rückstaus zwischen 12 Uhr und 1.30 Uhr gesperrt werden. Die Lkw-Schlange zwischen Bregenz und Dornbirn war 15 Kilometer lang.

"Katastrophe, Desaster, Chaos", in der Beschreibung des Zustands auf der Autobahn sind sich deutsche Autobahnmeisterei, Polizei und österreichische Spediteure einig. Bei der Frage, wer für den Verkehrskollaps verantwortlich ist, gehen die Meinungen auseinander. Gerhard Amann, Geschäftsführer der Spediteure in der Wirtschaftskammer ist aufgebracht: "Was sich da abgespielt hat, ist ein einziger Skandal.Wir bezahlen seit 1. Jänner in Deutschland 40 Prozent mehr Maut und die Bayern sind nicht fähig, die Autobahn zur räumen!" Die Spediteure wollen nun einen "geharnischten Protest" über die "extreme Schlamperei" an das deutsche Verkehrsministerium richten.

"Wir haben unser Bestes gegeben", verteidigt sich Günter Scholz, Leiter der Autobahnmeisterei: "Wenn sich Lkws mit Sommerreifen querstellen, können wir nichts mehr ausrichten, kommen mit den Pflügen nicht mehr durch." Fehlende Winterausrüstung sieht auch Polizeihauptmeister Peter Jakob als Auslöser des Chaos. (Jutta Berger Kerstin Scheller/DER STANDARD, Printausgabe, 19.2.2009)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Österreichs Spediteure sind sauer: Weil auf der deutschen Autobahn bei Wangen im Schneegestöber nichts ging, mussten Lkws in Vorarlberg stundenlang auf die Weiterfahrt warten

Share if you care.