Italien: Ein Sieg der alten Sitten

18. Februar 2009, 18:15
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Der Berlusconismus ist kein reines Phänomen der Rechten mehr

"Die italienische Linke verschwindet und der WWF schweigt" - den Postern auf der Website des Corriere della Sera blieb am Mittwoch angesichts der Situation des Partito Democratico nur schierer Sarkasmus.

Walter Veltroni, der eben zurückgetretene Oppositionsführer, hatte hingegen zum Abschied eine klare Analyse der italienischen Verhältnisse parat: Seit 1994 sei es der Linken nicht gelungen, eine Reformmehrheit zu schaffen. "Salonsozis" - gemeint war unter anderem wohl Massimo D'Alema, der einen angeschlagenen Silvio Berlusconi Ende der 1990er-Jahre aus Eigennutz im politischen Spiel gehalten hatte - hätten das Projekt einer zivilisierten Reform Italiens torpediert. Und nun habe Berlusconi eben die Herrschaft übernommen, wie ein "Padrone, dem das Land zuhanden ist wie sein persönliches Eigentum" (La Repubblica).

Diese Diagnose des in italienischen Blättern stets als intellektueller Bücherwurm karikierten Veltroni untermauert die alte These, dass der Berlusconismus kein reines Phänomen der Rechten sei. Systematische Rechtsbeugung, verantwortungsfreier Unernst, schamloser Eigennutz und der Triumph vulgärer Instinkte haben auch die Linke fest im Griff. Viele von deren Exponenten sind mindestens so korrupt wie ihre politischen Gegner. Ihr Interesse gilt einer "poltrona", einem Sitz in den Zentralen der Macht, mit der sie alles für sich, aber nichts für das Gemeinwohl im Sinn haben.

Daran sind Veltronis Reformideen gescheitert. Sein Abgang ist ein Sieg der alten Sitten in Italien, seine Rede von der Hegemonie Berlusconis in der Tat traurige Wirklichkeit. (Christoph Prantner/DER STANDARD, Printausgabe, 19.2.2009)

 

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