Jeder ein möglicher Pröll-Nachfolger

18. Februar 2009, 18:08
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Knapp ein Jahr nach seinem Wahlsieg in Niederösterreich bildet Landeschef Erwin Pröll sein Team um - vielleicht für eine "Ära nach Pröll"

St. Pölten - Erwin Pröll herrscht in Niederösterreich absolut. Da können zwar die Teilorganisationen seiner eigenen Volkspartei Wünsche anmelden - entscheiden tut aber der Chef. Spätestens zum Wochenende, sagte Pröll am Mittwoch, werde er sein neues Regierungsteam beisammen haben.
Heute, Donnerstag, werden die Gremien der niederösterreichischen Volkspartei tagen. Aber wer in der Landtagssitzung am Donnerstag in einer Woche angelobt wird, entscheide sich nach der Qualifikation. Dafür könnte eine Mitgliedschaft in einem ÖVP-Bund zwar wichtig sein, „aber hier wird nach Kompetenz entschieden, nicht nach irgendwelchen Mitgliedschaften", versicherte Pröll.

Aus seinem bisherigen Team hat der Landeschef am Mittwoch zwei langjährige Mitstreiter verabschiedet: Sein Stellvertreter und Wirtschaftslandesrat Ernest Gabmann soll nach 17 Jahren in der Landesregierung als vom Land Niederösterreich nominierter Vorstand in die Flughafen Wien AG wechseln. Und Josef Plank, seit neun Jahren Agrarlandesrat, erfüllt sich nach eigenen Angaben den Wunsch, mit 50 Jahren noch einmal jenseits der Politik durchzustarten. Allerdings galt Planks Position innerhalb des niederösterreichischen Bauernbundes als nicht ganz unumstritten - Gerüchte wollen von Differenzen mit dem Bauernbunddirektor und Landtagspräsidenten Hans Penz wissen.

Dass ein Job in der Wirtschaft ohnehin besser bezahlt sei, räumt Plank auf Nachfrage des Standard ein: „Wenn man wirtschaftlich erfolgreich ist, wird man auch etwas verdienen." Und sein nunmehriger Ex-Chef Pröll sagt, dass die Bezahlung für Landesräte (14.688 Euro im Monat) einer der Gründe ist, warum es oft schwer sei, wirklich qualifizierte Frauen aus der Wirtschaft in die Politik zu bekommen.

Dem Vernehmen nach will Pröll eine Frau in das Wirtschaftsressort setzen - das könnte auf die bisherige Bildungslandesrätin Petra Bohuslav deuten. Pröll hat jedenfalls vor, sein Haus so zu bestellen, dass „Kontinuität garantiert" ist - ein möglicher Hinweis darauf, dass Pröll schon eine „Ära nach Pröll" vorbereitet. Immerhin gilt Niederösterreichs Landeshauptmann als möglicher ÖVP-Kandidat bei der Bundespräsidentenwahl 2010.

Dazu, wie lange er selber noch im Amt bleiben will, will Pröll aber derzeit nichts sagen: „Ich beschäftige mich nicht mit Dingen, die weit in der Ferne liegen" - sondern mit denen, die jetzt anzugehen sind. Jedes seiner Regierungsmitglieder sei geeignet, eines Tages Landeshauptmann zu werden, versichert Pröll. Aber einer wird jetzt Landeshauptmannstellvertreter werden - und das dürfte Finanzlandesrat Wolfgang Sobtoka sein, ein Exponent des ÖAAB.

Im ÖAAB wird der 53-jährige Sobotka tatsächlich als möglicher Pröll-Nachfolger gesehen. Denn das - angeblich so nicht existierende - Bünde-Verhältnis sieht vor, dass der nächste niederösterreichische Landeshauptmann vom Arbeitnehmerflügel gestellt wird.

Im Bauernbund denkt man schon an den übernächsten Landeshauptmann - weshalb mit dem Agrarlandesrat jemand aus der Generation der unter Vierzigjährigen zum Zug kommen soll. Gedacht ist an Stephan Pernkopf, derzeit Kabinettschef bei Erwin Prölls Neffen Josef. (Conrad Seidl, DER STANDARD, Printausgabe, 19.2.2009)

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    Bereitet einen Generations-wechsel im Land vor - auch für den Fall, dass er selber für ein noch höheres Amt berufen wird: Landeshauptmann Erwin Pröll.

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