Abrechnung mit Seibersdorfern

18. Februar 2009, 18:05
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"Gravierende Fehlannahmen" bei Finanzplanung - Staatsanwalt bestellt Gutachter

Wien - Die finale wirtschaftliche Beurteilung des segensreichen Wirkens der von FPÖ und BZÖ ins Forschungszentrum Seibersdorf entsandten Funktionäre wird die Justiz vornehmen.

Derzeit ist Gerichtssachverständiger Gerhard Altenberger (einst Gutachter im Fall Rieger Bank, derzeit Staatskommissär in der Bank Medici) am Zug. Er prüft die Bücher der Austrian Research Centers (ARC) im Auftrag der Staatsanwaltschaft Wien. Ob Altenbergers Recherche und Expertise den Verdacht auf fahrlässige Krida oder Untreue erhärten werden, bleibt abzuwarten.

Für die sechs ehemaligen ARC-Manager, gegen die Staatsanwältin Sonja Riener ermittelt, gilt ausnahmslos die Unschuldsvermutung:Erich Gornik, Helmut Krünes und Hans Rinnhofer (alle drei ARC-Holding, Martin Graf (ARC Business Services), Konrad Freyborn (ARC Seibersdorf Research) und Martha Maly-Schreiber (ARC-Funktionswerkstoffe GmbH).

Sein Urteil über die Gebarung in den Jahren 2003 bis 2006 gebildet hat sich jedenfalls der Rechnungshof (RH), er legte am Mittwoch den Endbericht vor. Darin wird mit Finanzplanung, Strategie, Holdingstruktur und Personalpolitik abgerechnet, die Seibersdorf unter blauen Eigentümervertretern tief in die Verlustzone geführt haben.

Bei der Finanzplanung habe es "gravierende Fehlannahmen" gegeben, der Notverkauf der ARC-Tochter Funktionswerkstoffe sei aufklärungswürdig (weil zum Nachteil der ARC) und vor allem: Die Personalgebarung wird wegen massiver Kollektivvertragsüberzahlungen kritisiert und wegen diverser Geschäftsführerverträge und deren teurer Auflösungen.

Der Vergleich mit dem Rohbericht vom Juni macht stutzig: Der Endbericht ist dünn und (aus Datenschutzgründen) um Namen bereinigt. Die Causa Martin Graf mit 220.000 Euro Abfindung und 50.000 Euro Einmalprämie ist dennoch identifizierbar. Ob sie genug Stoff gibt für eine Anklage, bezweifeln Juristen. Denn der Passus, Graf hätte als Prokurist Mehrleistungen für die Geschäftsführung unentgeltlich erbringen müssen (und deshalb 50.000 Prämie zu Unrecht kassiert), steht nur handschriftlich in seinem aufgelösten ARC-Prokuristen-Vertrag. (ung, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.02.2009)

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