Wahlkampf mit Weichzeichner

18. Februar 2009, 17:59
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SPÖ muss erstmals Führungsposition in Salzburg verteidigen und setzt alles auf den "Gabi-Effekt"

Salzburg - „Meine, deine, unsere Landeshauptfrau", für die Parteistrategen und Werbeleute der Sozialdemokraten ist die Linie klar: Die mit hohen Sympathiewerten ausgestattete Landeshauptfrau Gabi Burgstaller soll der SPÖ bei den Landtagswahlen am 1. März im Alleingang erneut den ersten Platz in der Wählergunst sichern. Und die Chancen stehen nicht schlecht, dass der SPÖ nach dem Sensationssieg 2004 über den glücklos agierenden damaligen VP-Landeshauptmann Franz Schausberger erneut ein Sieg im einst konservativen Kernland gelingt. Alle Umfragen sehen Burgstallers SPÖ voran. Selbst eine vergangene Woche von der Volkspartei präsentierte Erhebung sieht die SPÖ zwischen 39 und 40 Prozent, die ÖVP zwischen 36 und 37 Prozent.

Viele in der ÖVP haben den Traum von einem Landeshauptmann Wilfried Haslauer junior längst aufgegeben. Inzwischen wird getrommelt, es gelte die ÖVP zu stärken, um Rot-Blau zu verhindern. 60 Prozent wären für eine große Koalition und nur zwölf für ein rot-blaues Experiment, heißt es in der VP-Umfrage. Burgstaller hatte ja eine Koalition mit den Freiheitlichen für die kommende Periode nicht ausgeschlossen. Dass es dazu wirklich kommt, glauben aber selbst enge Mitstreiter Burgstallers nicht. Zu groß wären in diesem Fall die parteiinternen Verwerfungen.

"Zusammenstehen"

Der stabile Vorsprung der SPÖ entspringt - neben dem persönlichen Kommunikationstalent der Landeschefin und der massiven Unterstützung durch die Kronen Zeitung - auch einer geschickt aufgestellten Falle. Die SPÖ hat - nicht zuletzt dem betont sachlich orientierten Naturell Haslauers entsprechend - den Koalitionspartner immer mit an Bord genommen. So ist man beispielsweise wiederholt gemeinsam vor die Belegschaft der vor dem Aus stehenden Papierfabrik von M-real in Hallein getreten. Haslauer blieb wenig über, er musste sich politisch umarmen lassen und so in die Rolle des Zweiten fügen. „Es ist gut, dass das Land zusammenhält - trotz 1. März", erklärte Burgstaller.

In diesem Klima des „Zusammenstehens" verpufft jede inhaltliche Attacke. So moniert die ÖVP seit Tagen, dass durch Steuerreform und Wirtschaftsflaute im Budget 2009 eine Lücke von bis zu 50 Millionen Euro drohe. An Burgstaller und ihrem Vize David Brenner perlt das freilich ab: Haslauer habe das Budget ja mitgetragen.

Die ÖVP plagt noch ein Handikap. Mit dem Antreten des BZÖ - auf Jörg Haider gemünztes Wahlmotto: „Seinen Weg weitergehen" - drohen am Ende wichtige Prozente zu fehlen. Auch wenn das BZÖ laut Umfragen den Einzug in den Landtag kaum schaffen wird. Dass BZÖ-Spitzenkandidat Markus Fauland, obwohl nicht im Landtag vertreten, bei der Fernsehrunde kommenden Sonntag mit am Tisch sitzen wird, empfindet man in den Reihen der Schwarzen als besonders unfreundlichen Akt des ORF.

Strache mobilisiert Junge

Die eigentliche Unbekannte ist die FPÖ von Karl Schnell. Langzeitlandesobmann Schnell selbst hält sich im Wahlkampf zurück und wird nicht müde zu betonen, dass auf Landesebene kaum Entscheidungen getroffen werden können. Er setzt auf die Strahlkraft von Bundesparteichef H.-C. Strache, dessen Auftritte jedes Mal hunderte Jugendliche mobilisieren. Die Jungwähler werden in Salzburg diesmal ein Faktor: Von den rund 386.000 Wahlberechtigten sind knapp 41.000 Erstwähler zwischen 16 und 23 Jahren. Gewinnen wird die FPÖ auf jeden Fall: 2004 wurde mit 8,7 Prozent ein historisches Tief eingefahren.

Wie bei der FPÖ bestimmen auch bei den Grünen Bundespolitiker den Wahlkampf wesentlich mit. Der Konflikt um den Salzburger Johannes Voggenhuber hat Spitzenkandidat Cyriak Schwaighofer zwar viel Medienpräsenz verschafft, hilfreich war die Demontage Voggenhubers aber nicht. Das dritte Mandat und der Klubstatus wird eine Zitterpartie. (Thomas Neuhold, DER STANDARD, Printausgabe, 19.2.2009)

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    Die Poleposition von Gabi Burgstaller konnte Herausforderer Wilfried Haslauer während des Wahlkampfs nie ernsthaft gefährden.

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