Mama prostituiert sich auf Sat.1

18. Februar 2009, 17:21
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Was Hausfrau Marie im Sat.1-Drama "Für meine Kinder tu' ich alles" vor der ersten Werbepause erleiden muss, reicht eigentlich für vier Lebensgeschichten

Ihr verschuldeter Mann bringt sich um. Der reiche Schwiegervater will ihr die Töchter wegnehmen. Eine davon hat einen Asthmaanfall. Dann wird auch noch das schicke Haus zwangsgeräumt. Was Hausfrau Marie (Lisa Martinek) im Sat.1-Drama Für meine Kinder tu' ich alles noch vor der ersten Werbepause erleiden muss, reicht eigentlich für vier Lebensgeschichten.

Aber wo das Elend groß ist, da darf man auch bei der Bewältigung nicht lange fackeln. Kaum in der Sozialwohnung angekommen, steigt Marie also ins horizontale Gewerbe ein. Die freundlichen Nachbarinnen machen's ja auch, und irgendwie muss Geld für die Klassenfahrt reinkommen.

Auch ansonsten reiht sich Klischee an Klischee. Natürlich prügelt der Zuhälter, selbstverständlich gibt es einen Hoffnungsschimmer in Person des engagierten Lehrers, der mit den Ghetto-Kids eifrig Sport betreibt.

Dennoch: Die Familie, die Liebe - das ist es, was zählt. "Solange wir uns haben, sind wir nicht arm", säuselt Marie und drückt den Nachwuchs an sich. Das hört man inmitten der Rezession natürlich gerne. Und was braucht man noch, um ohne Geld durchzukommen? Genau, Freunde.

Deshalb wird der Zuhälter kurzerhand umgebracht, die Mädels satteln um und eröffnen gemeinsam ein Café. Auf der Strecke bleibt Maries Schwiegervater. Der sitzt am Ende alleine in seiner Villa. Geld hat er, sonst niemanden. Da möchte man wirklich nicht tauschen. (Birgit Baumann, DER STANDARD; Printausgabe, 29.2.2009)

 

  • Sat.1-Drama: "Für meine Kinder tu' ich alles"
    foto: sat.1

    Sat.1-Drama: "Für meine Kinder tu' ich alles"

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