Der Charme der Chancenlosen

18. Februar 2009, 16:23
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Langläuferin Katerina Smutna, in Böhmen geboren, als Öster­reicherin in der Loipe fast eine Exotin

Alle zwei Jahre ein Heidenspaß, die Langlauf-Qualifikationsrennen bei nordischen Weltmeisterschaften. Am Mittwochvormittag, im Langlaufzentrum Vesec, hatten sie wieder ihren Auftritt, die Damen und Herren aus nah und fern, Exoten genannt, auch wenn sie zum Beispiel aus Ungarn stammen.

Vor erheiterten Offiziellen, Sportkollegen und Journalisten rang auch die Inderin Bhuw-neshwari Thakur im Schneegestöber um ihre Chance, über zehn klassische Kilometer dabei zu sein. Die 28-Jährige aus Kashmir entledigte sich ihrer Aufgabe, zu der natürlich auch die Fragen nach Woher und Wohin gehörten, durchaus mit Charme. Qualifiziert hat sich Thakur nicht. Also konnte sie auch keine Medaille machen.

Auch Katerina Smutna wird bei ihrer zweiten WM als Österreicherin nichts mitzuplaudern haben um einen Podestplatz. Über die zehn Kilometer hat sie einen Top 20-Platz angepeilt, der 24. ist es schließlich geworden. Im Weltcup war sie in dieser Saison schon dreimal in diesen Sphären. Liberec ist für Smutna ein Heimrennen, schließlich ist sie in Jablonec, wenige Kilometer von Liberec entfernt, geboren. Hier erlernte sie den Langlauf, wurde sie als Talent erkannt und gefördert.


Verstoßen und fündig

2003 bestritt sie in Val di Fiemme im Team der Tschechischen Republik ihre erste WM. Vor den zehn Kilometern verschwieg sie eine Erkrankung, wurde nach jämmerlichem Rennen nur 51. und von Cheftrainer Stanislav Frühauf aus dem Kader geworfen. "Sabotage", entfuhr es damals dem späteren Coach von Katerina Neumannova, die heute als OK-Chefin Smutnas Heim-WM schupft.

Die Verstoßene suchte mit 19 Jahren nach einem Ausweg. Ihr Trainer und Lebenspartner Radim Duda fand ihn beim HSV Saalfelden. Im März 2006 wurde die zierliche Athletin eingebürgert, um Österreichs weiblichem Langlauf, der sieben Jahre zuvor in Ramsau durch Maria Theurl seine erste und einzige Medaille (Bronze über 15 km Skating) errungen hatte, ein Vorbild zu geben.

Das ist aus mehreren Gründen nicht gelungen. Die stille Smutna ist alles andere denn ein Zugpferd, die Olympia-Skandale von Salt Lake City und Turin haben die ÖSV-Sparte insgesamt schwer beschädigt. Das Budget der um gesperrte Athleten reduzierten Truppe von Cheftrainer Bernd Raupach wurde deutlich gekürzt.

Smutna und Duda sind auf ihrer Suche nach ordentlichen Trainingsbedingungen inzwischen in St. Ullrich am Pillersee, unweit des nordischen Zentrums Hochfilzen, gelandet. Jetzt und in Liberec tut sich Smutna schwer zu versichern, dass sie den Wechsel nach Österreich nicht bereut hat. Der Kontakt zu den tschechischen Kolleginnen sei nach wie vor eng. "Es ist schade, dass ich nicht mit ihnen in der Staffel laufen kann", sagt sie dann doch.

Der Bayer Raupach, seit 2006 verantwortlich, muss sich inzwischen die Frage gefallen lassen, ob seine Schützlinge nicht auch zu den Exoten auf den WM-Loipen zu zählen sind. Der 46-Jährige, der einst den Deutschen Tobias Angerer an die Spitze führte, verneint energisch, verweist auf Smutna und Christian Hoffmann, der am Schlusstag der WM die 50 Kilometer laufen soll. Wenn er nicht wieder durch Krankheit verhindert ist.

Und Raupach fordert Geduld. "Die Finnen haben nach ihrem Dopingskandal bei der WM in Lahti 2001 auch gut sechs Jahre gebraucht, bis sie wieder mit mehreren Athleten konkurrenzfähig waren." Raupach bezeichnet sich als geduldigen Menschen, der auch kleinste Fortschritte registriere. Etwa beim Salzburger Manuel Hirner (24), der am Freitag die klassischen 15 Kilometer in Vesec bestreitet.

Hirner ist zumindest fix qualifiziert. Das hat er zum Beispiel Sherpa Dachhiri voraus, dem 29-jährigen Bergsteiger und Ultramarathonläufer aus Nepal, der in der Ausscheidung scheiterte. (Sigi Lützow aus Liberec, DERSTANDARD, Printausgabe, Donnerstag, 19. Februar 2009)

 

 

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    Katerina Smutna

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