"Bin kein Träumer"

18. Februar 2009, 16:43
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Sturm-Trainer Franco Foda über titellose Qualität, das Modewort "Ausbildungsverein", Prioritäten, Spielkultur und die Zukunft in Graz

derStandard.at: Ärgert Sie eine Spielabsage wie jene in Klagenfurt überhaupt noch, oder gehört das zum österreichischen Fußball dazu?

Foda: Mit solchen Dingen muss man hier einfach leben. Mich ärgert nur, dass in Kärnten ein Euro-Stadion gebaut, aber auf eine Rasenheizung verzichtet wurde.

derStandard.at: Weiß die Bundesliga nicht, dass es in Österreich im Winter kalt ist, oder wie erklären Sie sich diesen Spielplan?

Foda: Ich möchte die Bundesliga nicht verurteilen, solange ich keinen Einblick habe, wie schwierig es ist, diese Pläne zu erstellen. Das Grundproblem liegt aber am Stadion.

derStandard.at: Warum wird Sturm dieses Frühjahr keinen ähnlichen Einbruch wie in der vergangenen Saison erleben?

Foda: Es hat im letzten Jahr keinen Einbruch meiner Mannschaft gegeben. Der erste Platz nach der Hinrunde war eine Weltsensation. Am Ende waren wir mit dem vierten Platz hoch zufrieden, diese Position hat unseren Möglichkeiten entsprochen.

derStandard.at: Wird es dieses Jahr am Ende der Meisterschaft eine Weltsensation geben?

Foda: Man muss berücksichtigen, dass wir im Sommer fünf Stammspieler abgegeben haben. Am Ende wollen wir unter den ersten Drei stehen, das ist unser Ziel.

derStandard.at: Sie haben sich auf Salzburg als Titelfavorit festgelegt, was spricht für Red Bull?

Foda: Wenn nichts Außergewöhnliches passiert, ist Salzburg der Top-Favorit auf den Titel. Mit diesem Budget und den Top-Spielern muss man Meister werden, aber auch Rapid und vielleicht die Austria können Salzburg den Rang noch ablaufen.

derStandard.at: Sturm-Präsident Hans Rinner wünscht sich zum 100-Jährigen-Jubiläum den Cup-Sieg - hat der Cup für Sturm Priorität?

Foda: Nein, für uns hat die Meisterschaft Priorität. Präsident und Fans dürfen aber gerne von solchen Dingen Träumen, ich als Trainer denke von Spiel zu Spiel.

derStandard.at: Als eine der wenigen Mannschaften in Österreich bekommt Sturm die Eigenschaft zugesprochen, Fußball "zu spielen", ist das ihre Schuld?

Foda: (lacht) Jeder Trainer hat seine ganz persönlichen Vorstellungen von Fußball. Mein Schwerpunkt liegt auf dem Spiel mit dem Ball und der Offensive.

derStandard.at: Viele Trainer begründen ihren defensiven Spielstil mit der mangelnden Kreativität in ihrem Kader. Eine zulässige Erklärung?

Foda: Das muss jeder Trainer für sich beurteilen. Ich persönlich versuche immer mit jeder Mannschaft Fußball zu spielen. In Graz halten wir trotz zahlreicher Abgänge an unserer Linie fest.

derStandard.at: Sie haben gesagt, bei Sturm spielen bereits die Nachwuchs- und Amateur-Mannschaften das System der Profis. Was zeichnet das Sturm-System aus?

Foda: Sturm Graz steht für einen stark spielerisch geprägten Fußball und das schnelle Spiel nach vorne. Diesen Grundgedanken habe ich nicht neu erfunden, das war schon unter Trainer Osim so und ist bei mir nicht anders.

derStandard.at: Ex-Sportdirektor Hörmann hat über Sie gesagt "Wenn Foda Sturm verlässt, könnte es wieder abwärts gehen." Wie abhängig ist der Verein von Ihnen?

Foda: Jeder ist zu ersetzen. Nach Osim ging es weiter und Sturm wird auch ohne mich erfolgreich sein.

derStandard.at: Ist es für einen Trainer nicht frustrierend für einen selbsternannten "Ausbildungsverein" zu arbeiten und jedes Jahr wichtige Spieler ziehen zu lassen?

Foda: Wenn man bei Sturm Trainer ist, muss einem das bewusst sein. In Österreich haben nur Salzburg, Rapid und die Austria andere Möglichkeiten, die restlichen Vereine müssen damit leben, immer wieder die besten Spieler ziehen zu lassen. Die Qualität eines Trainers kann aber nicht nur an Titeln gemessen werden.

derStandard.at: Im Moment wollen in Österreich alle Mannschaften so genannte Ausbildungsvereine sein. Ein Modewort oder findet tatsächlich ein Umdenken statt?

Foda: Die finanziellen Umstände der Vereine haben dazu geführt, dass es die Tendenz gibt, auf junge Österreicher anstatt auf teure Ausländer zu setzen. Fakt ist, dass teure Spieler im Normalfall gar nicht nach Österreich kommen. Salzburg ist dabei die Ausnahme. Allen anderen Mannschaften, wird nicht viel anderes übrig bleiben, als auf den eigenen Nachwuchs zu setzen. Diese Vereine leben davon, dass sie ihre Spieler ins Ausland verkaufen.

derStandard.at: Haben Sie Marko Stankovic zu seinem Wechsel im Winter geraten?

Foda: Nein. Ich war der Meinung, dass es für ihn besser gewesen wäre, noch ein Jahr in Graz zu spielen. Er hat sich anders entschieden und da wir im Sommer keine Ablöse mehr bekommen hätten, haben wir ihn gehen lassen.

derStandard.at: Sie haben einen Vertrag in Graz bis 2010 und keine Ausstiegsklausel - kann kommen wer will und sie bleiben Sturm treu?

Foda: Ich gehe davon aus, dass ich meinen Vertrag hier erfüllen werde. Grundsätzlich verlasse ich keine Mannschaft während der Meisterschaft. Aber im Fußball kann man nie nie sagen. Das Umfeld in Graz passt sehr gut, allerdings hatten wir in den letzten drei Jahren noch keine schwierige Situation zu meistern, erst dann wird sich zeigen, ob alles wirklich so toll funktioniert.

derStandard.at: Ist für einen jungen, erfolgreichen Trainer die Fußballwelt in Österreich nicht zu klein?

Foda: Ich bin kein Träumer. Heutzutage muss man als Trainer sehr zufrieden sein, in der Österreichischen Bundesliga arbeiten zu können. Sturm ist hier zu Lande eine Top-Adresse. Allerdings müsste ich lügen, wenn ich nicht zugeben würde, vielleicht mal in England, Spanien oder Deutschland arbeiten zu wollen.

derStandard.at: Das Nationalteam war in Graz zu Gast und musste gegen Schweden erneut eine Niederlage hinnehmen - warum macht das Team eine so unglückliche Figur?

Foda: Beim Match gegen Schweden war der fehlende Spielrhythmus einiger Spieler deutlich erkennbar. Die Zahl der Legionäre ist zwar gestiegen, die meisten sind aber keine Stammspieler bei ihren Klubs. Die Sache für Teamchef Brückner ist wirklich nicht einfach.

derStandard.at: Ihr Name wird auch in der ÖFB-Trainerdiskussion immer wieder ins Spiel gebracht, würde Sie diese Aufgabe reizen?

Foda: Solange Karel Brückner das Team trainiert, stellt sich diese Frage für mich nicht. Sollte ich irgendwann ein Angebot bekommen, mache ich mir darüber Gedanken. (Simon Hirt, derStandard.at, 19.02.2009)

ZUR PERSON:

Franco Foda (42) kam 1997 als Spieler zum SK Sturm. 2001 übernahm der Deutsche das Traineramt der Grazer Amateurmannschaft, seit 2006 ist er Cheftrainer des SK Sturm. Auf einen Titel wartet Trainer Foda bisher noch.

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    "Die Qualität eines Trainers kann nicht nur an Titeln gemessen werden."

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    Mit Sturm wagt Trainer Foda nur sehr wage Ausblicke auf sportliche Höhenflüge.

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    In der Champions-League wirbelte Sturms Foda Manus Ole Gunnar Solskjaer durch die Luft.

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