Quartett auf Medaillenjagd

18. Februar 2009, 16:12
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Chancen für Routiniers Stecher, Bieler und Debütanten Gruber, Klapfer - Denifl leicht erkrankt - Bewerb wird heute ab 17.15 Uhr entschieden

Liberec - Sportdirekor Toni Innauer hat das Ziel an die Nordischen Kombinierer des ÖSV vorgegeben. Eine Medaille sollten sie holen bei der WM in Liberec, nachdem sie vor zwei Jahren in Sapporo leer ausgegangen waren. Nach den jüngsten Podestplätzen und angesichts der mannschaftlichen Stärke scheint dies durchaus realistisch. "Wir haben vier Chancen, wir sind heiß", erklärte Cheftrainer Alexander Diess vor dem Massenstart-Bewerb am Donnerstag (14.15/17.15/live ORF 1).

Diese Konkurrenz, beginnend mit einem 10-km-Langlauf mit Massenstart, wird mit zwei Sprüngen von der Normalschanze entschieden. Und bietet dank dieses Modus den guten Springern, zu denen eigentlich alle Österreicher zählen, gewisse Vorteile. "Das ist für unser Team eine Superchance, eine Medaille zu machen", erklärte Diess, der das Quartett im Anschluss an das Abschlusstraining am Mittwochnachmittag bekanntgab. Neben Mario Stecher, Christoph Bieler und WM-Neuling Bernhard Gruber nominierte er mit Youngster Lukas Klapfer einen zweiten Debütanten. Willi Denifl, der ebenfalls in Frage gekommen wäre, wachte Mittwochmorgen mit einer Verkühlung auf und so wurde diese Entscheidung vorzeitig getroffen.

Eine Bewerb als Relikt

Der Weltmeister wird jedenfalls in die Geschichte eingehen. Denn er ist der erste und gleichzeitig der letzte in dieser Bewerbsform, die nach der Neupositionierung der Kombination und der Schaffung eines Einheitsbewerbs (ein Sprung, 10 km Langlauf) auch aus dem Weltcup-Programm verschwunden ist.

Die Hoffnungen des ÖSV beim ersten Großereignis nach dem 2007 vollzogenen Rücktritt des Olympiasiegers Felix Gottwald ruhen auf zwei Routiniers und zwei Debütanten. Stecher fühlt sich zehn Jahre nach dem Vize-Weltmeistertitel im Sprint in Ramsau in der Form seines Lebens und Bieler, ebenfalls Team-Olympiasieger, hat nach einer langwierigen Erkrankung offenbar rechtzeitig zu seiner Form gefunden. Bernhard Gruber, in Sapporo nur Ersatzmann, rechnet sich nach Rang zwei im WM-Test im Rahmen des Weltcups, einiges aus.

Stecher strotzt vor Selbstvertrauen

"Stehaufmännchen" Stecher, der Anfang Februar in Seefeld seinen ersten Sieg seit drei Jahren gefeiert hatte, strotzt vor Selbstvertrauen. Dass es nach der langen Karriere da und dort zwickt, zuletzt vor allem am Rücken, bremse ihn nicht, versicherte der 31-jährige Steirer mit Wohnsitz im Pitztal. Die Konstellation vor der WM sei ideal, der Bewerb von der Normalschanze komme ihm entgegen.

"Im Langlauf kann ich mit rund zehn anderen eine Gruppe hinter dem überragenden Norweger Magnus Moan bilden und im Springen sind die zwei Durchgänge ein Vorteil", erklärte Stecher. "Wenn ich mein Optimum ausschöpfe und etwas Glück habe, dann bin ich überzeugt, dass es gut ausgeht."

Bieler nicht im engeren Favoritenkreis

Bieler hat zwei seiner fünf bisherigen Weltcup-Siege im Massenstart gefeiert, nach der problematischen Saison zählt er sich aber nicht zum engeren Favoritenkreis. "Mir fehlen Wettkampfsprünge und Rennen, der Winter war bisher absolut nicht optimal", erklärte der Tiroler. Ein Top-Ergebnis sei freilich dennoch möglich. "Im Massenstart hat man in zwei Durchgängen die Chance, sein Können zu zeigen. Mit etwas Glück kann die Wundertüte Bieler platzen."

Gruber hat im Weltcup im Massenstart schon zwei zweite Plätze erreicht, jedes Mal knapp hinter dem Deutschen Björn Kircheisen. In Ramsau 2007 war er nach ungerechter Bewertung der "moralische Sieger". Die Strecken mit den nicht allzu steilen Anstiegen kommen dem kraftvollen Athleten entgegen. "Ich rechne mir einiges aus und werde voll angreifen", kündigte der Salzburger an. "Es wäre schön, wenn ein Quäntchen Glück gerade bei der WM zurückkommt."

Klapfer hatte in Seefeld mit Rang zwei seinen ersten Podestplatz erreicht. "Die erste WM ist ein Highlight. Ich will meine Leistungen bringen, dann wird man sehen, was rauskommt." (APA) 

Ergebnisse vom Abschlusstraining der Nordischen Kombinierer am Mittwoch in Liberec:

Anssi Koivuranta (FIN) 97,0 m (3.) - ausgelassen Magnus Moan (NOR) 85,5 (35.) - 89,0 (17.) Björn Kircheisen (GER) 92,0 (17.) - 87,5 (26.) Mario Stecher (AUT) 93,0 (10.) - 79,5 (42.) Bernhard Gruber (AUT) 87,0 (26.) - 101,5 (1.) Christoph Bieler (AUT) 92,5 (15.) - 83,5 (36.) Lukas Klapfer (AUT) 78,5 (46.) - 95,0 (6.) Jason Lamy Chappuis (FRA) 93,5 (9.) - 93,0 (8.) Tino Edelmann (GER) 86,0 (33.) - 98,5 (2.) Bill Demong und Todd Lodwick (USA) sowie Pavel Churavy (CZE) ließen das Training komplett aus.

 

 

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    Die Nordischen Kombinierer (v.l.) Christoph Bieler, Bernhard Gruber Mario Stecher und Lucas Klapfer nach dem Training auf der Normalschanze.

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