Asfinag fährt Telematik-Ausbau runter

18. Februar 2009, 17:45
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Der Autobahnbauer rechnet wegen rückläufigen Lkw-Verkehrs in den ersten Wochen 2009 mit bis zu 15 Prozent weniger Mauteinnahmen

Lissabon/Wien - Da das vom damaligen Verkehrsminister Werner Faymann verordnete Sparen beim Autobahnbau eine mühsame (und regionalpolitisch heikle) Sache ist, schlägt der staatliche Autobahnbauer Asfinag beim Verkehrsmanagement einen Sparkurs ein. Eine Evaluierung der drei Verkehrsbeeinflussungsanlagen (VBA) in den Großräumen Wien (A 23), Linz und Vorarlberg habe ergeben, dass allein bei Streckenbeeinflussungsanlagen (SBA; ermöglichen Geschwindigkeitsbeschränkungen pro Fahrspur) rund 21 Millionen Euro einsparbar seien, sagte Asfinag-Vorstandsdirektor Alois Schedl.

Bei den sogenannten Netzmaschen, also VBA, mit denen der Verkehr bei Stau großräumig auf Ausweichstrecken umgelenkt wird, sieht man weitere zehn Mio. Einsparpotenzial, was deren Kosten auf 21 Mio. Euro reduzieren würde. Zwei der geplanten sieben Netzmaschen, das sei bereits vor Abschluss der Evaluierung absehbar, werden überhaupt gestrichen, man will mit 42 statt 63 Mio. Euro das Auslangen finden.

Insgesamt sei das 2003 vom damaligen Asfinag-Chef Walter Hecke und dem damaligen Verkehrsminister Mathias Reichhold (war später selbst im Asfinag-Vorstand, wurde 2007 auf Wunsch Faymanns vorzeitig abgelöst) angekündigte Projekt mit einem Investitionsvolumen von knapp 400 Mio. Euro überdimensioniert und zu teuer, betonten Schedl und sein Vorstandskollege Klaus Schierhackl. Daher werde es abgespeckt, aber nicht auf Kosten von Sicherheit und Umweltschutz. Denn Staus kosteten Geld - und Mauteinnahmen.

Unumstritten ist dieser Sparkurs nicht, wird doch ausgerechnet die Netzmasche zwischen Vösendorf und Wechsel/Semmering wegrationalisiert. Sie gilt aufgrund des Verkehrsaufkommens auf der Südautobahn (A2) allerdings als neuralgische Zone. Nicht realisiert wird laut Asfinag auch die räumlich größte Netzmasche zwischen Linz, Salzburg, Klagenfurt und Graz. Weil Pyhrn-, West- und Südautobahn wohl zusammenhingen, die drei Adern aufgrund der räumlichen Distanz aber gegenseitig keine Ausweichrouten darstellten.

Tests hätten ergeben, dass elektronische Überkopfanzeigen wie im Unterinntal teuer, aber wirkungslos seien, weil von den Autofahrern ignoriert, sagt Schedl. Daher wolle man Telematik-Einrichtungen nur dort, wo die Homogenisierung und Leistungssteigerung des Verkehrs nachweisbar sei.

Dass die Verkleinerung aufgrund einer Rechnungshofprüfung erfolgte, stellt man in Abrede. Investiert wurden bisher 176 Mio. Euro in zehn Telematik-Projekte. Schierhackls Vorbild in Sachen Telematik bleibt dennoch der portugiesische Autobahnbetreiber Brisa. Die börsennotierte Brisa beliefert ihre Kunden nicht nur mit Infos über Staus oder Straßenverhältnisse, sondern kann bei einem Reifenplatzer sogar Pannendienst und Ersatzreifen schicken.

Der Schuldenberg lässt sich mit Telematik nicht wegbeamen: Er wird bis 2020 von elf auf 20 Mrd. Euro steigen. Die Lkw-Mauteinnahmen hingegen sinken heuer um zwölf bis 15 Prozent. 2008 sanken sie um 126 auf 980 Mio. Euro. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.02.2009)

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