Mukoviszidose

Blockierender Schleim

Ursula Schersch, 25. Februar 2009, 17:35
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    foto: apa/dpa/rolf vennenbernd

    In Österreich wird jedes Neugeborene auf die Erbkrankheit Cystische Fibrose (Mukoviszidose) untersucht

Die Lebenserwartung von Patienten mit Mukoviszidose steigt - Noch ist die Erbkrankheit unheilbar - An einer Behandlung mittels Gentherapie wird geforscht

Bei Mukoviszidose, auch cystische Fibrose (CF) genannt, handelt es sich um eine Erbkrankheit von der in Europa durchschnittlich jedes 2.500. Neugeborene betroffen ist. Ein genetischer Defekt am Chromosom 7 ist verantwortlich, dass Körpersekrete zähflüssiger als normal sind und es dadurch besonders zu Krankheiten der Atemwege und des Verdauungstraktes kommt.

Entstehung von cystischer Fibrose

Mukoviszidose ist die häufigste Erbkrankheit der weißen Bevölkerung. Sie wird autosomal rezessiv vererbt, das heißt, Vater und Mutter müssen das fehlerhaften Gen besitzen, damit die Krankheit ausbricht. Statistisch gesehen kommt jedes vierte Kind, dessen Elternteile Träger des kranken Gens sind, mit cystischer Fibrose auf die Welt. Erbt das Kind den Defekt nur von einem Elternteil, so erkrankt es nicht, trägt jedoch das Merkmal und kann dieses an seine eigenen Kinder weitergeben. Rund vier Prozent der Bevölkerung sind gesunde Merkmalsträger. Die cystische Fibrose wird durch Veränderungen des CFTR-Gens (cystic fibrosis transmembrane conductance regulatur) verursacht. Derzeit sind weltweit mehr als 1.500 Mutationen im CF-Gen bekannt.

Diagnose: Screening - Schweißtest - Gentest

In Österreich wird jedes Neugeborene auf die Erbkrankheit untersucht. Die Screenings (Bluttests) kommen in Österreich seit mehr als zehn Jahren flächendeckend zum Einsatz. Jedem Neugeborenen wird etwas Fersenblut abgenommen, und auf Erkrankungen - darunter auch cystische Fibrose - untersucht. "Wenn dieses Screening positiv ist und nach einer Wiederholung erneut ein positives Ergebnis aufweist, wird ein Schweißtest durchgeführt", sagt Thomas Frischer, Leiter der CF-Ambulanz am Wiener AKH. Hierfür wird der Schweiß des Babys auf den Kochsalz-Gehalt hin geprüft, da dieser bei der Krankheit stark erhöht ist. "Das Screening, das eine Fehlerquote im Promillebereich aufweist, wird somit durch den Schweißtest verifiziert", sagt Frischer.

Hat der Schweißtest die Diagnose gesichert, werden die betroffenen Kinder zusätzlich genetisch untersucht, um den Defekt am cystischen Fibrose-Gen, dem Chromosom Nummer 7, nachweisen zu können. Diesen genetischen Test können Ärzte auch aus dem Fruchtwasser machen, wenn das Risiko einer Erkrankung besteht - etwa im Fall, wenn bereits ein Kind erkrankt ist. "Die Wahrscheinlichkeit, dass bei einer neuerlichen Schwangerschaft das Kind an cystischer Fibrose erkrankt, ist 25 Prozent", so Frischer.

Lungen- und Verdauungsprobleme

Die meisten Patienten werden über das Neugeborenen-Screening diagnostiziert. Die cystische Fibrose betrifft mehrere Organe und wird daher als Multiorganerkrankung bezeichnet. Besonders betroffen sind aber Lunge und Verdauungsapparat. "Einerseits bekommen Kinder häufig Bronchitis und Lungenentzündungen, andererseits haben sie ein Problem mit der Verdauung, sie nehmen schwer an Gewicht zu und verdauen Nahrungsmittel schlecht", sagt Frischer. Der Gendefekt beeinflusst den Salztransport in die Zellen sowie aus den Zellen und bewirkt die Bildung zäher Schleimsekrete, die die Funktionen der Drüsen im Körper behindern. Die Neigung zu Infektionen erhöht sich, häufig werden die Beschwerden chronisch.

Symptome lindern

Die Therapie der cystischen Fibrose ist umfassend und erfolgt lebenslang. Lunge und Verdauungsapparat müssen laut Frischer gleichzeitig behandelt werden. Patienten nehmen eine hochkalorische Ernährung - bis zu 150 Prozent des üblichen Tagesbedarfs - zu sich, damit sie ihr Gewicht halten können und die Abwehrleistung gegen Infektionen unterstützen. Zusätzlich werden dem Körper Verdauungsenzyme zugeführt, da die Bauchspeicheldrüse zu wenig liefert. "Auch die Lunge muss durch Inhalationen, mit Physiotherapie oder mit Antibiotika immer sauber gehalten werden", erklärt Frischer. Die pulmonale Therapie soll Infektionen bekämpfen, Entzündungen hemmen und Sekret entfernen. Auch hygienische Maßnahmen sind bei dieser Erkrankung sehr wichtig, um den Kontakt mit Keimen, die Infektionen der Atemwegsorgane auslösen, zu vermeiden.

Gentherapie rückt näher

Bestehende Behandlungsansätze können nur die Symptome mildern, an einer genetischen Korrektur des Defekts wird derzeit intensiv geforscht. "Der Gentherapie liegt zwar eine gute Idee zugrunde, allerdings ist zur Zeit noch die praktische Umsetzung das Problem. Aber auch neue medikamentöse Ansätze sind sehr viel versprechend", erklärt Frischer. Die Lebenserwartung der Betroffenen hat sich durch die frühere Diagnose und Weiterentwicklung der Behandlungsansätze bereits verdreifacht. Mittels Gentherapie soll das CF-Gen ersetzt und eine Heilung der bis dato unheilbaren Krankheit Mukoviszidose ermöglicht werden. (Ursula Schersch, derStandard.at, 25.02.2009)

Helly Hanzen
02
11.3.2009, 11:42

Sehr viele Menschen wissen gar nicht das es eine Krankeit namens Mukoviszidose auch "Cystische Fribose" genannt gibt, und das sie die häufigste angeborene, vererbte und chronische Stoffwechselerkrankung ist. Mit solchen Artikeln wird dies aber unter die Leute gebracht. DANKE.
P.S. Screening: Bei unserem Sohn würde das Neugeborenenscreening, danach ein zweiter Test und zuletzt der sogenan. "Schweisstest" durchgeführt bis wir die traurige Diagnose Mukoviszidose bekammen. Ich kann nur zustimmen das die zwei Wochen ungewissheit bis zur entgültigen Diagnose eine sehr hohe psychische Belastung ist. Mittlerweile lernt man damit zu Leben, bzw. mit der Krankeit umzugehen und unserem Sohn (3 J.) geht es auch sehr gut. Er ist ein wahrer Sonnenschein.

Dingsbums1
01
26.2.2009, 10:13
falsch positive Tests

Im Text steht, dass das "Screening eine Fehlerquote im Promillebereich aufweist". Das ist so nicht ganz richtig oder zumindest verkürzt dargestellt. Das Neugeborenenscreening, das bei jedem Neugeborenen automatisch gemacht wird, hat eine sehr hohe Quote an falsch positiven Tests. Meine Frau und ich haben uns eine ganze Woche psychisch fertig gemacht, bis wir das Ergebnis des genaueren zweiten Tests hatte. Nach meinen Internet-Recherchen (bin kein Arzt) sind mindestens 4 von 5 durchgeführten Standardtests in der U1 ein "Fehlalarm". Man sollte sich also beim ersten positiven Test noch nicht so verunsichern lassen.

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