Diskriminiert in Dubai

18. Februar 2009, 14:48
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Julian Knowle spielt mit Andy Ram Doppel. Dem Israeli dürfte die Einreise in die Emirate verweigert werden. Landsfrau Shahar Peer wurde schon ausgesperrt. Die Tennisorganisationen wollen handeln

Dubai/Wien - "Für ihn ist es leider nichts Neues", sagt Julian Knowle. Der 34-jährige Vorarlberger spielt dieser Tage in Marseille mit dem Israeli Andy Ram (28) Doppel, das Duo ist topgesetzt. Die Partnerschaft ist keine dauerhafte, Ram und Knowle sind quasi Tennisabschnittspartner. "Aber wir werden heuer noch einige Mal miteinander antreten." Nächste Woche in Dubai aber sicher nicht. Erstens, weil Knowle es mit Jürgen Melzer versucht, das wurde schon vor Monaten ausgehandelt. Und zweitens dürfte Ram das Einreisevisum in die Vereinigten Arabischen Emirate verweigert werden. Seine Landsfrau Shahar Peer hat die Erfahrung bereits gemacht, das Damenturnier findet gerade ohne sie statt.

Die Veranstalter geraten immer mehr in die Bredouille. "Die Zukunft des Turniers steht sehr in Zweifel", erklärte WTA-Boss Larry Scott. "Wir sind verärgert und empört." Erste Konsequenzen gibt es bereits. Nach dem sofortigen Ausstieg der Europa-Ausgabe des Wall Street Journal als Sponsor strich der für den US-Markt wichtige Spartenkanal Tennis Channel die Übertragungen aus Dubai. Die ATP wartet den Ausgang des Falls Ram ab. Er selbst sagte in Marseille: "Es muss gegen die Diskriminierung etwas getan werden, das darf sich nicht wiederholen."

Beide Verbände führen in ihren Statuten die fehlende sportliche Qualifikation als einziges Ausschlusskriterium an. Leo Huemer, der Turnierdirektor der Wiener BA-Trophy, ist einer von fünf europäischen Vertretern im ATP-Council. Er sagte dem Standard: "Es betrifft zwar nicht direkt Europa, aber man kann trotz wirtschaftlicher Interessen nicht zur Tagesordnung übergehen, die Anwälte sind eingeschaltet." Dubai ist sowohl bei den Herren als auch bei den Damen mit 2,2 Millionen Dollar dotiert. Der Markt gilt als ausbaufähig, in Zeiten der Weltwirtschaftskrise als fast einziger.

Die Gefühle

Der Eklat rief inzwischen auch die internationale Menschenrechtsorganisation Simon Wiesenthal Center auf den Plan. Center-Gründer Rabbi Marvin Hier forderte vom Dubai-Sponsor Barclays Bank die sofortige Beendigung der Zusammenarbeit. "Wenn man Israelis aussperrt, kann man das Turnier auch gleich Dubai Apartheid Open nennen. Der Friedensprozess zwischen Israel und den Palästinensern wird gestört."

Turnierdirektor Salah Tahlak teilte derweil mit: "Die Gefühle der arabischen Bevölkerung hier sind nach dem Gaza-Krieg noch nicht beruhigt, sodass eine Teilnahme von Peer die Menschen gereizt und die Gesundheit der Spielerin gefährdet hätte." Diese Argumentation könnte bei Ram eins zu eins übernommen werden.

Knowle kann sie nicht ganz nachvollziehen. "Ich habe mich noch nie gefährdet gefühlt, wenn ein Israeli dabei war." Weshalb die Spieler aus Solidarität zu ihrem Kollegen Dubai nicht boykottieren? "Da muss ich leider aussteigen. Das mit der Solidarität funktioniert in keinem Bereich, jeder hat eigene Interessen, da sind wir wohl überfordert." Die US-Amerikanerin Venus Williams gab in Dubai Folgendes von sich: "Wir haben nicht über einen Boykott diskutiert. Aber Shahar Peer ist ein guter Mensch, das war unfair."

Julian Knowle will sich mit der Situation nun genauer befassen. "Ich werde mit Ram reden, mich in den Nahostkonflikt vertiefen." (Christian Hackl, DER STANDARD, Printausgabe, Donnerstag, 19. Februar 2009)

 

 

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    Andy Ram mit Doppelpartner Julian Knowle Mitte Februar in Rotterdam.

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