"Die Gabi, das ist meine Nachbarin"

20. Februar 2009, 17:59
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Die Salzburger Landeshauptfrau Gabi Burgstaller holt sich im Wahlkampf Unterstützung aus Wien und setzt auf Gratis-Maroni und Heizstrahler

Gratis-Maroni, Heizstrahler und Neuschnee: Es hat ein bisschen was von Weihnachtsmarkt im Halleiner Stadtzentrum. Dabei ist es Mitte Februar und ganz Salzburg befindet sich im Wahlkampf.

Heimspiel für Burgstaller

"Was ist denn da los?", fragt ein Passant, der sich beim Bäcker einen Kaffee holt. "Da kommt die Gabi", ruft eine Frau. Zu Fuß kommt die Landeschefin Gabi Burgstaller zum Maroni-Stand der SPÖ, sie hat ja nicht weit von ihrer Wohnung in der zweitgrößten Stadt des Landes.

Sobald die Passanten erkennen, wer sich hinter der mit Schal und Kapuze vermummten Person versteckt, drehen sie sich vom Maroni-Stand weg und begrüßen "ihre" Landeshauptfrau. "Die Gabi, das ist meine Nachbarin", lacht eine Frau und drängt sich zu Burgstaller durch. Die umarmt sie und erwidert: "Grüß dich, gehen wir wieder mal ins Kino?"

Lange hat sie keine Zeit für ihre Nachbarin, dann mischen sich die Journalisten ein. Noch immer ist ihre Annäherung an die FPÖ ein Thema. "Ich habe gesagt, ich schließe niemanden von vornherein aus", rechtfertigt sie sich. Das hieße noch lange nicht, dass sie die FPÖ als Regierungspartner präferiert: "Wir wollen mit den Zweitstärksten zusammenarbeiten."

Lästige Fragen aus Wien

Das Thema ist ihr aber sichtbar unangenehm: "Ihr Wiener habt immer so neugierige Fragen. Warum fragt ihr mich nichts über unsere Gesundheitspolitik, zum Beispiel." Noch einmal hält sie fest, dass sie, falls sie bei der Landtagswahl nur auf Platz zwei landet, zurücktreten will: "Da muss ich zu meiner Verantwortung stehen. Sollte es so weit kommen, werde ich trotzdem noch in der Politik tätig sein."

Wenig später kommt die Wahlkampfunterstützung aus Wien: Werner Faymann und Laura Rudas sind angereist, um die Spitzenkandidatin bei ihrer Tour zu begleiten. "Bei euch ist's warm, da bleib' ich", scherzt der Kanzler und stellt sich zum Maroni-Stand.

Zum Essen kommt er allerdings nicht. Im Gegensatz zu den Passanten, die lieber weiter mit ihrer "Gabi" plaudern, stürzen sich die Journalisten auf Faymann. Und die Bundesgeschäftsführerin Rudas scheint in Hallein niemand zu kennen.

Tour durch die Stadt

Nachdem Faymann und Burgstaller sich den Fragen gestellt haben, geht's weiter: "Mach ma eine Runde", schlägt die Landeshauptfrau vor. Die Runde besteht kurz vor Ladenschluss aus einem Feinkostladen, einem Spielzeuggeschäft und einer Bäckerei.

Dort bleibt das Wahlkampfteam etwas länger. Beim Kaffee spricht Burgstaller mit den Besuchern über die wirtschaftliche Lage der Politik. "Die Schließung von M-Real war ein Schock für uns", sagt der Bäcker. Er selbst habe die Krise noch nicht zu spüren bekommen.

Rudas und Faymann haben zur Situation in Salzburg nicht viel zu sagen und hören gespannt zu. Zum Abschluss bringt sich der Kanzler auch noch in das Gespräch ein: "Wir können noch ein Foto mit Ihnen machen, wenn Sie wollen."

Mittlerweile ist es dunkel, die Halleiner haben sich in ihre warmen Stuben verzogen und nur mehr Journalisten und Parteimitglieder folgen dem Wahlkampfteam. Burgstaller verabschiedet sich von ihrem Besuch aus Wien: "Ich habe spontan entschlossen, auf einen Ball zu gehen." Faymann und Rudas machen sich weiter auf den Weg nach Salzburg. In einem Sportzentrum rühren sie für Bürgermeister Heinz Schaden die Wahltrommel. (Elisabeth Oberndorfer/derStandard.at, 20.2.2009)

  • In der Kälte warten die Wahlkampfunterstützer auf die Protagonistin.
    foto: derstandard.at

    In der Kälte warten die Wahlkampfunterstützer auf die Protagonistin.

  • Burgstaller würde lieber über Sachthemen sprechen, als über mögliche Koalitionen.
    foto: derstandard.at

    Burgstaller würde lieber über Sachthemen sprechen, als über mögliche Koalitionen.

  • Unterstützung aus Wien: Laura Rudas und Werner Faymann begleiten die Landeschefin auf ihrer Wahltour.
    foto: derstandard.at

    Unterstützung aus Wien: Laura Rudas und Werner Faymann begleiten die Landeschefin auf ihrer Wahltour.

  • Wenn Burgstaller mit "ihren" Salzburgern spricht, hört Faymann brav zu.
    foto: derstandard.at

    Wenn Burgstaller mit "ihren" Salzburgern spricht, hört Faymann brav zu.

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