Juristen planen weltweite Sammelklage

18. Februar 2009, 14:41
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Weltweit vermutlich drei Millionen Anleger betroffen

Madrid  - Im milliardenschweren Betrugsskandal um den US-Vermögensverwalter Bernard Madoff planen Anwälte eine weltweite Sammelklage. Die Idee für das internationale Vorgehen stammt vom spanischen Anwaltsbüro Cremades& Calvo-Sotelo. Momentan beschäftigen sich weltweit rund 300 Anwaltskanzleien und 45.000 Anwälte mit dem Fall. Für sie könnte der größte Finanzskandal aller Zeiten zum wichtigsten Fall überhaupt werden.

Schweizer Anwälte unterstützen die weltweite Zusammenarbeit im Fall Madoff. Sie bündeln mit Anwälten aus insgesamt 21 Ländern ihre Kräfte und sind einem entsprechenden Bündnis beigetreten. Ziel ist eine gemeinsame Sammelklage.

Der heimische Prozessfinanzierer Advofin wäre an einer Teilnahme an diesem internationalen Bündnis interessiert, wie Advofin-Chef Franz Kallinger zur APA sagte. Advofin prüft im Zusammenhang mit dem Madoff-Fall in Österreich und in den USA Sammelklagen gegen die Bank Medici und die Bank Austria.

Internationale Zusammenarbeit

Der Schweizer Wirtschaftsanwalt Daniel Fischer glaubt, dass die Anwälte dank der internationalen Zusammenarbeit besser zum Ziel kommen. Das Bündnis mit 24 Kanzleien aus 21 Ländern bilde ein "Gegengewicht" zu den Verantwortlichen des Skandals. "Einen internationalen Fall kann man nur international lösen", sagte Fischer gegenüber der Nachrichtenagentur SDA.

Javier Cremades, Initiant und Präsident des Bündnisses, schätzt, dass weltweit drei Millionen Personen direkt oder indirekt vom Milliardenbetrug betroffen seien. In der Schweiz seien es tausende. Die von der SDA befragten Schweizer Anwälte hingegen sagten, man kenne die Zahl der Opfer und die Schadenssumme nicht genau.

Schätzungen gehen davon aus, dass der 70-jährige US-Amerikaner Bernard Madoff mit seinem Schneeballsystem Investoren um rund 50 Mrd. Dollar geprellt hat. Laut Javier Cremades könnte diese Summe aber weit höher sein.

Juristisches Wirrwarr

Die weltweiten Verfahren werden wohl Klarheit schaffen. Doch im juristischen Wirrwarr könnten auch Interessenskonflikte entstehen. "In Spanien beschäftigen sich die vier größten Anwaltskanzleien bereits mit der Verteidigung der Banken, die in den Skandal involviert sind", sagte eines der Opfer des Fonds "Optimal". Damit werde es aber im Einzelfall schwierig, die Bank zur Rechenschaft zu ziehen.

Die Schweizer Anwälte hoffen, dass das Beispiel der spanischen Bank Santander auch bei Schweizer Banken Schule macht. Santander hatte die Opfer des betroffenen Fonds "Optimal" entschädigt. "Die UBS hat bis jetzt keinerlei Vorschläge gemacht", sagte Sophie Scemla vom französischen Anwaltsbüro Orrick.

Die Kanzlei vertritt unter anderem die Interessen von Schweizer Unternehmen, die in den luxemburgischen Fonds Lux Alpha investiert hatten. Dabei habe die UBS von diesen Geschäften zwischen 2004 und 2008 Kommissionen in der Höhe von insgesamt 85 Mio. Dollar bezogen. (APA/sda)

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