conwert fordert Maßnahmenpaket

18. Februar 2009, 14:27
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Wohnbauinvestments und thermische Sanierung gegen Krise

Wien - Investitionen in die Schaffung von Wohnraum und die thermische Sanierung sowie ein modernes Mietrecht könnten als Konjunkturmotor dienen und der drohenden Rezession in Österreich entgegenwirken. Der zuletzt an der Börse schwer unter die Räder gekommene Immobilien-Developer conwert Immobilien fordert daher die rasche Umsetzung eines Maßnahmenpakets zur Ankurbelung von Investitionen. Das von der Politik angekündigte Konjunkturpaket von 100 Mio. Euro sei jedenfalls nicht geeignet, entsprechende Impulse zu setzen, sagte conwert-Vorstandschef Johann Kowar am Mittwoch bei einem Pressegespräch.

Wohnbauinvestitionen (Neubau, Sanierungen, Umbau) machten rund 4 bis 5 Prozent des heimischen Bruttoinlandsproduktes (BIP) aus. Rund 100.000 Personen seien im Bereich Wohnbau und Wohnhaussanierung beschäftigt, was die Branche zu einem der größten Arbeitgeber in Österreich mache, erläuterte Kowar. Zudem hätten Investitionen in die Wohnungswirtschaft den größten Beschäftigungseffekt: Während mit 1 Mrd. Euro in der Wohnungsbranche bis zu 12.000 Arbeitsplätze geschaffen werden, seien es beim privaten Konsum nur rund 9.000 oder in der Exportwirtschaft nur 6.000.

Sanierungsrate bei ein Prozent

Allerdings stagniere die Sanierungsrate in Österreich seit Jahren bei unter 1 Prozent pro Jahr des Gebäudebestandes, weil die hohen Kosten von rund 550 Euro je m2 unter dem derzeitigen Mietrecht aufgrund der niedrigen Altmieten oft nicht verdienbar seien. Um das Kyoto-Klimaziel der österreichischen Bundesregierung zu erreichen, wäre eine Sanierungsrate von 3 bis 5 Prozent notwendig, ergänzte Andreas Nittel, Mitglied des Geschäftsführenden Direktoriums von conwert. Den Finanzierungsbedarf schätzt conwert dafür auf zumindest 1 Mrd. Euro, den Beschäftigungseffekt auf bis zu 30.000 Personen.

Konkret sollte das Paket "massiv aufgestockt" werden und um Maßnahmen wie der Einführung eines Investitionsfreibetrags, steuerlichen Abschreibungsmöglichkeiten sowie einer staatlichen Unterstützung bei der Finanzierung von thermischen Sanierungen ausgeweitet werden. Geändert werden müsste auch das Wohnrecht: Laut Studien sparen sich Mieter bei einer thermischen Sanierung zwei Drittel der Wohnkosten. Nach derzeitigem Mietrecht trage der Eigentümer die Kosten zu 100 Prozent und dürfe die Miete nicht erhöhen. Neben einer jährlichen Indexierung für die laufende Erhaltung bedarf es laut conwert auch einer Heranführung der Altmieten an Marktmieten nach deutschem oder tschechischen Modell.

Nachdem die Finanzkrise die Geschäfte im dritten Quartal 2008 vollkommen lahmgelegt hat, zeigte sich Kowar mit der Entwicklung im vierten Quartal als auch in den ersten beiden Monaten 2009 "sehr zufrieden". Die Nachfrage nach Mieten sei ungebrochen. Bei Eigentumswohnungen halte der bereits Ende 2008 begonnene Trend zu Investments in kleine Wohnungen weiter an. Seit dem vierten Quartal sei eine "Flucht in Sachwerte" erkennbar, Investoren gingen vermehrt in "solidere Dinge", sagte Kowar.

Für 2009 erwartet der Immobilien-Experte daher keinen Einbruch auf dem heimischen Immobilienmarkt. Bei guten Lagen seien sogar Wertsteigerungen möglich, durchschnittliche Lagen entwickelten sich "werterhaltend". (APA)

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