"Jede Nase zählt"

19. Februar 2009, 16:56
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Salzburgs ÖVP-Chef Hauslauer verteilt auf "großer Städte-Tour" Taschentücher - Er wettert gegen Rot-Blau und versucht so, Platz eins zurückzuerobern

Es ist kalt in Seekirchen. Samstagfrüh um neun Uhr rührt sich kaum noch etwas in der 10.000-Einwohner-Stadt im Salzburger Flachgau. Vor dem Bahnhof zieht ein Mann mit einer Schneefräse seine Runden. Ein paar hundert Meter weiter schaufelt ein Hausbesitzer den Schnee vom Gehsteig. An einer Kreuzung haben alle Parteien ihre Plakatständer aufgestellt, das Lächeln der Politikergesichter ist aber unter den weißen Flocken kaum zu erkennen.

Gelbe Rosen, gelbe Plakate

Einzig auf dem Parkplatz vor dem Einkaufszentrum in der Hauptstraße herrscht reges Treiben. Das wusste auch Monika Schwaiger. Die Bürgermeisterkandidatin der ÖVP hat mit einigen Freiwilligen zwei Biertische neben dem Eingang zum Lebensmittel-Großmarkt zusammengeschoben und breitet weiße Tischdecken darüber aus. Ihre Helfer verteilen Folder, Kugelschreiber und mit Rosen gefüllte Vasen auf den Tischen. Die Rosen sind gelb, genauso wie die Plakate, auf denen Schwaiger für ein "Seekirchen in guten Händen" wirbt.

Es ist Valentinstag. "Darf's eine Rose sein für die Frau Gattin?", fragt Schwaiger einen älteren Herrn, der mit vollem Einkaufwagen Richtung Parkplatz steuert. Der bedankt sich und lässt sich auch noch ein Plakat geben, um es vor seinem Haus aufzuhängen. Die vorbereiteten Frankfurter Würstel finden zu dieser frühen Stunde weniger reißenden Absatz. "Ich hab doch grad erst gefrühstückt", sagt ein eiliger Einkäufer.

Heimspiel in Schwarz

Die Seekirchner Schwarzen lassen ihre Blicke immer wieder über die geparkten Autos schweifen, denn sie erwarten einen prominenten Gast: Landeshauptfrau-Stellvertreter Wilfried Haslauer hat sich angekündigt. Er will den Landeshauptmann-Sessel für die Volkspartei zurückerobern. Die Stimmen aus Seekirchen sollen ihm dabei helfen.

Für die ÖVP ist Seekirchen eigentlich ein guter Boden - dennoch ist ein Wahlsieg für Bürgermeisterkandidatin Schwaiger keineswegs ausgemachte Sache: "Ich habe sehr erfahrene Konkurrenten, die schon jahrelang versuchen, Bürgermeister zu werden", sagt sie. Schwaiger ist erst seit Dezember Kandidatin. Ihr Vorgänger, Langzeit-Bürgermeister Johann Spatzenegger, will am 1. März seine Politkarriere beenden.

Mit der Suche nach Nachfolgern hatte er kein Glück: Gleich zwei nominierte Spitzenkandidaten haben vor der Wahl das Handtuch geworfen. Der ehemals freiheitliche Stadtrat Helmut Naderer von der "Freien Wählergemeinschaft" wittert seine große Chance, und auch Hans Wittek von der SPÖ möchte im Rennen um das Bürgermeisteramt mitmischen.

Auf "großer Städte-Tour"

Es ist fast halb zehn, als Wilfried Haslauer auf dem Parkplatz eintrifft. Er trägt einen schwarzen Kapuzenmantel, eine beige Cordhose und einen beigen Schal - trotzdem friert er ein wenig. Haslauer schüttelt allen Anwesenden die Hände, dann macht er sich ans Wahlkämpfen. Ein Mitarbeiter hält einen Korb, Haslauer verteilt die Wahlgeschenke: "Für die Tränen" gibt es Taschentuchpäckchen, "fürs Schmusen" Lippencremetuben. "Jede Nase zählt", verkündet ein Slogan auf den Päckchen, die Tuben verheißen: "Wilfried Haslauer - Balsam für Salzburg".

Der Schnee habe für die Verspätung gesorgt, entschuldigt sich der ÖVP-Chef: "Wir sind heute auf der großen Städte-Tour." Haslauer kommt gerade vom Wahlkämpfen in Neumarkt am Wallersee, wo er aufgewachsen ist; um elf Uhr soll er in Oberndorf auftreten, am Nachmittag steht Skifahren in Hintersee am Programm. "Ich habe Wahlkampf sehr gerne", sagt der Sohn eines ehemaligen Landeshauptmanns: "Für viele ist das eine Möglichkeit, einmal in Kontakt mit Politikern zu kommen, völlig unerwartet, auch für Leute, die politikfremd sind, die zu keiner Versammlung oder Veranstaltung gehen."

"Die SPÖ verkauft's dann"

Die Stimmung für die ÖVP erlebe er als "sehr positiv"; "so eine Geschlossenheit" habe es schon lang nicht mehr gegeben. Landeshauptfrau Gabi Burgstaller "flirtet heftig mit der FPÖ", warnt Haslauer, der sich freilich auch eine schwarz-blaue Koalition vorstellen kann. Ob er sich auch als Zweiter zum Landeshauptmann wählen lassen würde? "Die Frage kommt absolut zu früh." Man müsse erst das Wahlergebnis abwarten.

Viel werde davon abhängen, ob das BZÖ in den Landtag komme, sagt Haslauer: "Sie werden eine gewisse Anzahl von Stimmen machen. Da ist halt die Frage: Wem nehmen sie die weg?" Angst habe er vor den Orangen aber "überhaupt nicht." Mit Landeshauptfrau Burgstaller könne er gut zusammenarbeiten, aber "mehr oder weniger alles, was in dieser Regierung zu Stande gekommen ist, kommt aus den ÖVP-Ressorts, und die SPÖ verkauft's dann. Ungefähr so ist die Arbeitsteilung."

"Geht's Ihnen gut?"

Mit einem herzlichen "Grüß Gott" wendet sich Haslauer an eine grauhaarige Dame, die mit dem Einkaufskorb unterm Arm auf ihn zusteuert. Die Seekirchnerin beschwert sich heftig darüber, dass man ausgerechnet vor ihrem Haus eine Busgarage gebaut habe: "Dieser Verkehr macht einen ja krank. Ich war sogar schon im Krankenhaus und hab mir die Lunge untersuchen lassen."

"Und, geht's Ihnen gut?", fragt der ÖVP-Chef. "Sie haben nichts gefunden", sagt die Frau. Trotzdem sei die Luftverschmutzung nicht auszuhalten. Haslauer hört zu - Lösungen verspricht er keine. "Aber ich wünsche Ihnen weiterhin alles Gute!" Die Frau verabschiedet sich und stapft über den schneebedeckten Parkplatz zurück ins kalte Seekirchen. (Markus Peherstorfer, derStandard.at, 19. Februar 2009)

  • Haslauer "mag den Wahlkampf" und verschenkt Taschentücher "für die Tränen.
    foto: derstandard.at

    Haslauer "mag den Wahlkampf" und verschenkt Taschentücher "für die Tränen.

  • Bürgermeisterkandidatin Schwaiger kämpft gegen erfahrene Konkurrenten.
    foto: derstandard.at

    Bürgermeisterkandidatin Schwaiger kämpft gegen erfahrene Konkurrenten.

  • Wahlkampf vorm Supermarkt.
    foto: derstandard.at

    Wahlkampf vorm Supermarkt.

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